Schweiz Klimatische Ungleichheiten
Hitze in der Wohnung trifft Frauen, Betagte und tiefe Einkommen stärker
Eine Studie der Universität Genf mit über tausend Befragten zeigt, dass fast zwei Drittel regelmässig unter Hitze in der Wohnung leiden. Die Forschenden sprechen von thermischer Gerechtigkeit.
Fast zwei Drittel der in Genf befragten Personen geben an, regelmässig unter Hitze in der Wohnung zu leiden. Die Angabe betrifft die Sommer 2024 und 2025 und stammt aus einer Befragung von über tausend Personen.
Die Untersuchung trägt den Titel «Le confort estival à Genève» und wurde im Sommer 2025 von der Universität Genf durchgeführt. Sie ist Teil des Projekts SWICE, das dem individuellen und kollektiven Wohlbefinden in der Energiewende gewidmet ist.
Schlafstörungen betreffen drei von vier Befragten. Es folgen Konzentrationsschwierigkeiten, Dehydrierung und Gereiztheit.
Wer stärker exponiert ist
Die Studie benennt die überdurchschnittlich betroffenen Gruppen. Es sind Frauen, geschlechtliche Minderheiten, Menschen mit tiefen Einkommen, Mietende, Bewohnerinnen und Bewohner dichter städtischer Zonen, Betagte und Personen mit gesundheitlichen Problemen.
Alice Guilbert, Forscherin am Institut für Umweltwissenschaften der Universität Genf, erklärt, dass die Verletzlichkeit gegenüber Hitze aus einer Kombination sozialer und wirtschaftlicher Faktoren entsteht. Bei den Frauen wird der Unterschied auf die schwereren Haus- und Familienlasten zurückgeführt, die den Spielraum während der Hitzespitzen einschränken.
Das Bild verschiebt das Problem vom Einzelnen hin zur Wohnung und zur Organisation des Tages. Wer mietet, entscheidet nicht über Eingriffe am Gebäude. Wer in einem dichten Quartier lebt, hat weniger beschattete Flächen in der Nähe. Wer über ein tiefes Einkommen verfügt, hat weniger Mittel, die Wohnung auszurüsten.
Die Forschenden nennen mehrere mögliche Richtungen. Sie schlagen die energetische Sanierung der Gebäude mit Vorrang für Wohnungen mit tiefen Einkommen vor, die Einführung flexibler Arbeitszeiten und von Homeoffice, den kostenlosen Zugang zu klimatisierten Räumen wie Kinos und Einkaufszentren, neue Kühlvorrichtungen wie Vernebler und Grünflächen sowie die Abstimmung der Schul- auf die Arbeitszeiten.
Der Begriff, um den die Studie kreist, ist jener der thermischen Gerechtigkeit. Er bezeichnet das Ziel, dass sich alle gleichermassen schützen können, unabhängig von Einkommen, Wohnung, Geschlecht und Quartier.
Die Stichprobe betrifft allein die Stadt Genf. Die Studie gibt nicht an, ob die ermittelten Anteile auch für die übrigen Schweizer Stadtzentren gelten.
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