Schweiz Bankenregulierung
AT1-Anleihen funktionieren nicht, warnt eine Basler Juristin
Corinne Zellweger-Gutknecht lehnt es ab, die Hälfte der Auslandsbeteiligungen der UBS mit AT1-Papieren zu unterlegen. In einer Krise würden sie nicht rechtzeitig gewandelt.
Im Parlament schlägt eine Gruppe von Ständeräten vor, die Eigenmittelvorschriften abzuschwächen, die der Bundesrat der UBS auferlegen will. Die Grossbank müsste ihre Auslandsbeteiligungen nicht vollständig mit hartem Kernkapital finanzieren: Die Hälfte der Deckung könnte über AT1-Anleihen erfolgen, also über Papiere, deren Wert bei Schwierigkeiten des Instituts auf null gesetzt werden kann. Genau das geschah bei der Credit Suisse.
Corinne Zellweger-Gutknecht, Professorin für Privat- und Wirtschaftsrecht an der Universität Basel, hält diese Lösung für untauglich. In einem Interview mit der "NZZ am Sonntag" sagt sie, die AT1 wiesen in ihrer heutigen Form gravierende Mängel auf und würden in der Praxis nicht funktionieren: In einer Krise würden die Anleihen nicht rasch genug in Eigenkapital gewandelt. Die UBS, sagt sie, wäre längst untergegangen. Für die Juristin ist das ein Konstruktionsfehler. Zusammen mit Yvan Lengwiler, Professor für Volkswirtschaft ebenfalls in Basel, hat sie einen mehrstufigen Reformvorschlag für die AT1 vorgelegt.
Eine Struktur, die an die Credit Suisse erinnert
Das Problem, so Zellweger-Gutknecht, ist die Ähnlichkeit der heutigen UBS mit der Credit Suisse. Die Muttergesellschaft UBS AG hält nicht bloss die ausländischen Töchter. Sie führt auch ein umfangreiches Bankgeschäft für die Auslandkundschaft, den grössten Teil des Investment Banking und die Konzerntreasury.
Der Zusammenbruch der Credit Suisse hat gezeigt, dass eine Bank ihre Auslandtöchter rechtzeitig verkaufen können muss, wenn eine Krise eintritt. Heute kann sie das nicht, weil diese Beteiligungen nur zu 45 Prozent mit Eigenkapital unterlegt sind. Jeder Dollar Wertverlust einer Tochtergesellschaft zehrt damit auch 55 Rappen jenes Kapitals auf, das die Bank für andere Risiken des Bank- und Investmentgeschäfts hält. Die Abschreibungsverluste würden untragbar, ein Verkauf faktisch unmöglich.
Die Professorin fordert eine Deckung zu hundert Prozent mit hartem Kernkapital. Sie räumt aber ein, die Debatte könnte mit einem Kompromiss von achtzig Prozent Eigenkapital und zwanzig Prozent AT1 enden oder vor das Volk gelangen. In jedem Fall verlangt sie Regeln, die auch dann halten, wenn die Bankführung wieder mehr Gas geben will.
Zellweger-Gutknecht hat für die Parlamentarische Untersuchungskommission zum Untergang der Credit Suisse ein Gutachten verfasst und berät unter anderem das Eidgenössische Finanzdepartement, die Nationalbank und die FINMA.
Das Parlament wird damit zwei Arten von Kosten gegeneinander abwägen müssen. Auf der einen Seite die zusätzlichen Eigenmittel, die auf die Rendite der Bank und den Preis des Kredits drücken. Auf der anderen das Risiko, dass die Rechnung in einer Krise erneut beim Staatshaushalt landet.
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