Wirtschaft Rückversicherung
Naturkatastrophen: ein erstes Halbjahr unter dem Durchschnitt, aber nicht ruhig
Swiss Re beziffert die Schäden der ersten sechs Monate 2026 auf 100 Milliarden Dollar, davon 42 versichert. Waldbrände bleiben das am schnellsten wachsende Wetterrisiko.
In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 haben Naturkatastrophen weltweit Schäden von 100 Milliarden Dollar verursacht, zu den aktuellen Kursen 81 Milliarden Franken. Davon waren 42 Milliarden versichert. Das geht aus dem periodischen Bericht des Rückversicherers Swiss Re hervor.
Beide Zahlen liegen unter jenen des Vorjahreszeitraums, als es 111 beziehungsweise 50 Milliarden waren. Der Vergleich mit dem Zehnjahresmittel 2016-2025 zeigt in dieselbe Richtung: zehn Prozent weniger bei den Gesamtschäden, sechzehn Prozent weniger beim versicherten Teil.
Balz Grollimund, der bei Swiss Re die zuständige Abteilung leitet, warnt allerdings davor, die Zahlen als strukturelle Verbesserung zu lesen. Ein günstigeres Halbjahr bedeute nicht, dass das Risiko gesunken sei, sagt er, denn ein einziger grosser Hurrikan, ein Erdbeben oder ein ausgedehnter Waldbrand könne das Bild rasch verändern.
Der Kalender erklärt die Vorsicht. Historisch entfallen auf das zweite Halbjahr im Mittel 58 Prozent der weltweiten versicherten Schäden, vor allem wegen der Hurrikansaison. Und jenseits der saisonalen Prognosen bleiben die grundlegenden Treiber dieselben: In exponierten Lagen wird immer mehr gebaut, und der Wiederaufbau kostet jedes Jahr etwas mehr.
Das am schnellsten wachsende Risiko
Einen eigenen Platz nehmen im Bericht die Waldbrände in Europa ein. Sie fallen bisher relativ wenig ins Gewicht, sind aber weltweit jene Wettergefahr, die am schnellsten zunimmt. Swiss Re rechnet vor, dass die versicherten Schäden durch Waldbrände in Europa seit 1970 real um acht bis elf Prozent pro Jahr gestiegen sind.
Der klimatische Rahmen erklärt die Entwicklung. Europa ist der Kontinent, der sich weltweit am schnellsten erwärmt, und zählt heute 64 Prozent mehr Tage mit Temperaturen über dreissig Grad als in den Fünfzigerjahren. Wärmere und trockenere Verhältnisse, hält Grollimund fest, erhöhen die Wahrscheinlichkeit grossflächiger Brände und damit die Zahl der Wohnhäuser, Betriebe und Infrastrukturen, die in deren Weg liegen können.
Zählt man zu den Naturkatastrophen die von Menschen verursachten hinzu, steigt die Rechnung des ersten Halbjahrs auf 107 Milliarden Dollar, gegenüber 160 Anfang 2025 und 119 im Zehnjahresmittel. Der versicherte Anteil beträgt 48 Milliarden.
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