Schweiz Tierschutz
Hundertzweiundzwanzig Hunde in Ramiswil getötet, STS zeigt Kantonstierarzt an
Die Räumung des Solothurner Hofs erfolgte im November. Laut dem Verband wurde ein Teil der Tiere nicht einzeln beurteilt.
Der Schweizer Tierschutz hat Strafanzeige gegen den Solothurner Kantonstierarzt und den Leiter des kantonalen Amts für Landwirtschaft erstattet, wegen der Art und Weise, wie die Räumung eines Hofs in Ramiswil abgewickelt wurde.
Der Einsatz fand am 6. November 2025 auf dem Betrieb einer 57-jährigen Frau statt. Hundertzweiundzwanzig Hunde wurden getötet. Dreiundvierzig Pferde wurden beschlagnahmt, zweiunddreissig davon versteigert. Ebenfalls weggenommen wurden zwei Ziegen.
Beanstandet wird die Art des Entscheids. Neunundneunzig Hunde waren als Herdenschutzhunde eingestuft worden, eine Kategorie, bei der eine Umplatzierung tatsächlich schwierig ist. Es bleiben dreiundzwanzig Tiere, die laut STS vor der Tötung keiner Einzelbeurteilung unterzogen wurden. "Mir scheint, sie haben aus Bequemlichkeit getötet", erklärte Verbandspräsident Peter V. Kunz.
Zwei parallele Verfahren
Das Strafverfahren gegen die Hofbesitzerin war von den Solothurner Behörden bereits wegen des Umgangs mit den Tieren eröffnet worden. Die Anzeige des STS eröffnet nun eine zweite Front, die das Handeln der kantonalen Veterinärdienste während und nach dem Einsatz betrifft.
Das eidgenössische Tierschutzgesetz überträgt dem Kantonstierarzt die Zuständigkeit, die Beschlagnahmung anzuordnen und, wo eine gesetzeskonforme Haltung nicht sichergestellt werden kann, die Tötung. Die Norm legt jedoch kein einheitliches Verfahren für die Triage bei Einsätzen dieser Grössenordnung fest, und die Beurteilung, ob eine Umplatzierung machbar ist, bleibt weitgehend im Ermessen.
Fälle von Tieranhäufung treten regelmässig in allen Kantonen auf, mit Zahlen von einigen Dutzend bis zu mehreren Hundert Tieren. Die grösste Schwierigkeit ist nicht der Einsatz selbst, sondern die Verfügbarkeit von Einrichtungen, die gleichzeitig viele betreuungsbedürftige Tiere aufnehmen können und, im Fall von Herdenschutzhunden, ein sehr spezifisches Umfeld bieten.
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