Wirtschaft Speicherchips
Die Rechenzentren saugen den RAM auf, und die Preise steigen entlang der ganzen Kette
Bis zu 70% des weltweiten RAM landen in Infrastrukturen für künstliche Intelligenz. Apple und Microsoft haben ihre Preise bereits angehoben, während die neuen Investitionen der Hersteller vor allem in Server fliessen.
Höhere Preise und knappere Lager erreichen Smartphones, Computer, Autos und Spielkonsolen. Ursache ist der weltweite Mangel an Speicherchips, ausgelöst durch die Ausbreitung der künstlichen Intelligenz und der Rechenzentren, die bis zu 70% des weltweit verfügbaren RAM beanspruchen. Das Phänomen hat bereits einen Namen, RAMaggedon, und niemand erwartet ein rasches Ende.
Für Alessandro Piva, Leiter des Observatoriums für künstliche Intelligenz an der Polytechnischen Universität Mailand, handelt es sich eher um das Symptom eines tiefgreifenden industriellen Wandels als um eine Blase, die bald platzen wird. Das Phänomen durchzieht verschiedene Branchen, und der technologische Wettbewerb betrifft inzwischen ganze Wertschöpfungsketten und nicht mehr einzelne Bauteile.
Die Auswirkungen auf die Preislisten sind bereits sichtbar. Tim Cook, scheidender Chef von Apple, sprach von einem perfekten Sturm. Der Konzern bestätigte Preiserhöhungen für Mac-Computer und iPad-Tablets, wobei die Lieferungen des MacBook Air besonders betroffen sind. Microsoft erhöhte die Preise der gesamten Xbox-Palette. Laut dem Analyseunternehmen TechInsights haben sich die Preise für DRAM- und NAND-Speicher im letzten Jahr vervierfacht, und die Schätzungen deuten bis zum dritten Quartal 2026 auf Aufschläge von über 300% hin.
Die traditionellen Hersteller Samsung, Micron und SK Hynix bauen ihre Werke aus. Der grössere Teil der neuen Investitionen fliesst allerdings in Bauteile für Server und Rechenzentren, wo die Nachfrage aus der künstlichen Intelligenz stärker und die Margen höher sind. Unterdessen rücken chinesische Hersteller wie Cxmt vor, die bereits grosse Computerfirmen beliefern.
Für Piva liegt der strategische Punkt in der Geografie der Produktion: Die fortschrittlichsten Bauteile werden in sehr wenigen Ländern gefertigt, während die Nachfrage aus der ganzen Welt kommt. Die Schlussfolgerung betrifft auch Europa. Echte technologische Souveränität, hält er fest, verlangt die Kontrolle über ganze industrielle Ökosysteme und nicht nur über Software und Fachwissen. Offen bleibt, wer bereit ist, Anlagen zu finanzieren, die Jahre und Milliarden brauchen, bevor der erste Chip entsteht.
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