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Schweiz Klima und Gesundheit

UNO-Expertin: Die Hitzetoten in der Schweiz waren vermeidbar

Ende Juni verursachte die aussergewöhnliche Hitze eine Übersterblichkeit von 340 älteren Menschen. Für Eleni Myrivili, UNO-Beauftragte für den Kampf gegen die Hitze, gibt es dafür «keine Entschuldigung»: Es braucht Betreuungsnetze, weniger Asphalt und Simulationen von Extremszenarien wie in Paris.

von Brenno 9. August 2026 3 Min. Lesezeit

Ende Juni verzeichnete die Schweiz wegen der aussergewöhnlichen Hitze eine Übersterblichkeit von 340 älteren Menschen. Für Eleni Myrivili, die oberste Expertin der Vereinten Nationen im Kampf gegen die Hitze, ist das kein unabwendbares Schicksal. «Queste morti avrebbero potuto essere evitate: non c'è scusa, davvero nessuna» (diese Todesfälle hätten vermieden werden können: Es gibt keine Entschuldigung, wirklich keine), erklärte sie in einem am Samstag von Schweiz am Wochenende veröffentlichten Interview.

Myrivili ist Anthropologin und war früher Hitzebeauftragte in Griechenland. Ihre Analyse beginnt mit einer Feststellung: «Il rischio caldo è estremamente poliedrico» (das Hitzerisiko ist äusserst vielschichtig). Es betrifft die Gesundheit, die Energiesysteme, die Wasserversorgung und die Ernährungssicherheit, aber auch die Produktivität und damit das Bruttoinlandprodukt. Über das Tempo, mit dem sich die Länder anpassen, urteilt sie streng: «Dobbiamo agire molto più rapidamente, finora abbiamo ampiamente fallito» (wir müssen viel schneller handeln, bisher haben wir weitgehend versagt).

Am dringendsten ist die Lage der älteren Menschen, die bekanntlich am stärksten unter Hitzewellen leiden. Für die Expertin schützen offizielle Warnungen allein niemanden. «Non basta avvisare del caldo: bisogna che il messaggio arrivi agli anziani» (es genügt nicht, vor der Hitze zu warnen: Die Botschaft muss die älteren Menschen erreichen), insbesondere jene, die allein leben. Es braucht Netze von Personen, die nach ihnen sehen und sie an kühle Orte begleiten.

Die Pariser Übung als Vorbild

Myrivili fordert die Schweiz auf, sich von der französischen Hauptstadt inspirieren zu lassen. Vor drei Jahren lancierte Paris die Simulation «Paris bei 50 Grad»: Energieversorger, Feuerwehrleute, Fachleute aus Gesundheit und Schule sowie unzählige weitere Akteure trafen sich über eineinhalb Jahre lang zu einer präzisen Frage. Was würde geschehen, wenn die Stadt während mehrerer Wochen 50 Grad verzeichnete? Die Übung blieb nicht bei der Theorie: Die Szenarien wurden in zwei Quartieren vor Ort durchgespielt, um die kritischen Punkte vor einer echten Krise zu erkennen. Auch die Schweiz sollte sich laut der Expertin mit Extremannahmen auseinandersetzen, etwa mit aufeinanderfolgenden Tropennächten und Tagen mit bis zu 45 Grad.

Zu den Klimaanlagen ist ihre Haltung klar. Sie verbrauchen viel Energie und geben Wärme nach aussen ab, wodurch die Städte noch heisser werden: Für Myrivili sind sie das Symptom einer falschen Stadtplanung, ein Teufelskreis. «Non possiamo raffreddarci fuori dalla crisi climatica con i climatizzatori» (wir können uns nicht mit Klimaanlagen aus der Klimakrise herauskühlen), warnt sie.

Die Alternative gibt es bereits. «Sappiamo benissimo che dobbiamo puntare molto di più su soluzioni basate sulla natura» (wir wissen sehr genau, dass wir viel stärker auf naturbasierte Lösungen setzen müssen), sagt die Expertin. Das bedeutet eine Planung, die Grünflächen, Schatten und die Wahl der Baumaterialien in den Vordergrund stellt, mit ausreichend beschatteten Plätzen und Fussgängerzonen und weniger Abhängigkeit von Beton und Asphalt.

Die Empfehlungen richten sich vor allem an die öffentliche Hand, von den Gemeinden bis zu den Kantonen. Nach einem Sommer, der den schwächsten Menschen bereits die Rechnung präsentiert hat, stellt sich die Frage, ob diese Massnahmen vor der nächsten Hitzewelle kommen.

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