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Wirtschaft Künstliche Intelligenz

«Europa verfügt über 5% der weltweiten Rechenkapazität»

Die Investorin Judith Dada warnt in der NZZ, der Kontinent hänge bei Modellen und Rechenleistung von den USA ab. Um die Lücke zu schliessen, bräuchte es über 50 Gigawatt.

von Gottardo 10. August 2026 3 Min. Lesezeit

Technologisch hängt Europa in zwei entscheidenden Bereichen von den Vereinigten Staaten ab: bei den Modellen der künstlichen Intelligenz und bei der Rechenleistung. Das sagt Judith Dada, eine in der europäischen Szene bekannte Risikokapitalinvestorin, in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung.

«Europa unterschätzt den Ernst der Lage massiv», hält sie fest. Dada gehört zu den Autorinnen und Autoren von «Europe 2031», einer dieses Jahr erschienenen Erzählung, die durchspielt, wie der Kontinent bis dahin technisch und wirtschaftlich bedeutungslos werden könnte, wenn er den Aufstieg der künstlichen Intelligenz nicht richtig bewältigt.

Der Vorwurf betrifft auch die Art, wie das Thema aufgenommen wurde. «Wir haben immer Ausreden gefunden, um die Entwicklungen im Bereich der KI nicht ernst zu nehmen», sagt sie. «Wir sagten: Aber die reden alle Unsinn, haben fragwürdige politische Ansichten, wollen sich nur bereichern. Oder wir taten das Ganze als vorübergehende Mode ab.»

Der Knackpunkt ist die Infrastruktur

Die Zahlen, die sie nennt, sind deutlich. «Heute verfügen wir über knapp 5% der weltweiten Rechenkapazität», während «die USA auf rund 75 bis 80% kommen». Daraus ergibt sich, was sie eine doppelte Abhängigkeit nennt: von den amerikanischen Modellen und von der amerikanischen Rechenleistung. «Selbst wenn wir in Europa ein Modell entwickelten, hätten wir nicht genügend Rechenzentren, um es zu betreiben.»

Als Ziel nennt sie 15% der globalen Leistung, was über 50 Gigawatt erfordern würde gegenüber heute zwei. Die vorgeschlagenen Wege sind Deregulierung und Sonderwirtschaftszonen sowie der Versuch, die Vereinigten Staaten dazu zu bewegen, die neuen Rechenzentren in Europa zu bauen. «OpenAI, Anthropic oder SpaceXAI kaufen bereits sämtliche Chips und Rechenkapazitäten, die für die Zukunft nötig sind», stellt sie fest. Ein Spielraum bestehe aber: «Die USA kontrollieren nicht die gesamte Lieferkette.» Als europäische Stärken nennt sie ASML und Zeiss.

Zur Frage einer möglichen KI-Blase ist ihre Haltung klar. «Ich sehe eine revolutionäre Technologie. Wir stehen erst am Anfang dieses Marktes.» Sie räumt ineffiziente Ausgaben und Verbesserungspotenzial ein, verlangt aber, ihr einen aufstrebenden Markt zu zeigen, in dem das nicht so gewesen sei. «Heisst das, dass KI eine Blase ist? Nein.»

Der Schluss ist eine Anklage gegen die europäische Passivität, formuliert über die Hauptfigur von «Europe 2031», eine französische Beamtin in Brüssel. «Noch heute wird zu viel Energie darauf verwendet, Elon Musk, Donald Trump oder die Amerikaner zu verabscheuen. Doch während wir das tun, bauen sie die Zukunft.» Und weiter: «Ich könnte heute nicht sagen, wer in Europa diese Verantwortung tatsächlich übernimmt.»

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