Kanton Val Calanca
Nach fast zwei Wochen Isolation ist die Strasse durchs Calancatal wieder offen
Der Streckenabschnitt zwischen Molina und Arvigo, der wegen eines Erdrutschs gesperrt war, ist einspurig wieder befahrbar. Während der fast zweiwöchigen Isolation gelangte die Bevölkerung per Helikopter ins Tal, während lokale Betriebe ihre Schäden bilanzieren und die Politik einen definitiven Tunnel fordert.
Nach einem Erdrutsch war das Calancatal fast zwei Wochen lang von der Aussenwelt abgeschnitten. Seit Mittwoch, 18.00 Uhr, ist der Streckenabschnitt zwischen Molina und Arvigo wieder befahrbar – allerdings nur eingeschränkt: einspurig, nur tagsüber zwischen 6.30 und 20.30 Uhr, und mit möglichen kurzen Wartezeiten wegen der noch laufenden Bauarbeiten.
Während fast der gesamten Zeit der Isolation sorgten die Behörden mit Helikopterflügen für die Verbindung zur Aussenwelt. Daniele Corecco, Verantwortlicher der Feuerwehr Calanca, berichtet, dass vor allem Pendlerinnen und Pendler zwischen dem Tal, dem Tessin und dem übrigen Kanton Graubünden die Flüge nutzten, ebenso Menschen, die einkaufen mussten. Unter den Passagieren war auch Elia, der einzige Sekundarschüler des Tals, der jeden Tag nach Roveredo geflogen wurde: «Ogni giorno vado in elicottero, è bello» («Jeden Tag fliege ich mit dem Helikopter, das ist schön»).
Für die im Tal gebliebenen Primarschulkinder wurde der Unterricht auf drei verschiedene Schulhäuser verteilt. Eine Schülerin erzählt, die Situation habe es auch ermöglicht, gemeinsam mit jüngeren Mitschülerinnen und Mitschülern Unterricht zu haben, mit denen man sonst nicht in derselben Klasse ist.
Forderung nach einer definitiven Lösung
Schulleiterin Eleonora Righetti, die auch als Grossrätin für den Kreis Roveredo im Parlament sitzt, betont, dass der Notfall die Dringlichkeit eines Eingriffs an der Strasse noch deutlicher gemacht habe – ein Vorhaben, das der Grosse Rat bereits einstimmig beschlossen hat.
Die Isolation hatte auch wirtschaftliche Folgen für die Betriebe im Tal. Igor, Betreiber des Bed and Breakfast Ai Cav Calanca, schätzt, dass ihm die letzten beiden Augustwochenenden entgangen sind – bei schönem Wetter und guter Buchungslage. Für einen Kleinbetrieb wie seinen mache das rund ein Viertel bis fast ein Drittel des Augustumsatzes aus.
Weniger stark betroffen waren die Steinbrüche von Arvigo: Laut Inhaber Giovanni Polti konnte der Betrieb dank alternativer Lösungen weiterlaufen, auch wenn die Bilanz «abbastanza pesante dal punto di vista morale» («moralisch ziemlich schwer») ausfällt. Für Polti bleibt ein künstlicher Tunnel die einzige definitive Lösung, auch aus Sicht der wirtschaftlich-technischen Machbarkeit.
Offen bleibt, welche Sicherheit Pendlerinnen und Pendler, Familien und Kleinbetriebe im Tal bei einem erneuten Ereignis dieser Art haben werden – und in welchem Zeitrahmen der Kanton dem einstimmigen Beschluss des Grossen Rates Taten folgen lässt.
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