Kanton Transport und Arbeit
GTS Trasporti ist pleite, die neue Firma liefert weiter für DHL
Eine Tessiner Transportfirma, die im Subunternehmerauftrag für DHL tätig war, ist mit über 1,5 Millionen Franken Schulden in Konkurs gegangen, nachdem sie einigen Angestellten den Lohn schuldig geblieben war. Eine Recherche der RSI-Sendung Falò zeigt, dass einen Monat später eine neue Firma mit denselben Verantwortlichen gegründet wurde, die weiterhin für den Logistikkonzern arbeitet.
Eine Recherche von Falò, der Reportagesendung von RSI, dem Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz, schildert den Fall der GTS Trasporti SA, einer Tessiner Firma, die im Subunternehmerauftrag für DHL Pakete auslieferte. Das Unternehmen ging im vergangenen Mai mit über 1,5 Millionen Franken Schulden in Konkurs. Mehrere ehemalige Angestellte, die Falò befragt hat, berichten von ausstehenden Löhnen und nicht bezahlten Leistungen.
Luis, ein ehemaliger Angestellter, erzählt, er sei gezwungen gewesen, bei der Arbeit die DHL-Uniform zu tragen. Er wurde im September 2025 bei GTS angestellt, erhielt zwei Monatslöhne nicht und kündigte im April 2026. Später konnte er fast den gesamten geschuldeten Betrag zurückholen, doch es fehlen ihm noch einige Hundert Franken sowie die Familienzulagen für acht Monate.
Schlimmer erging es Davide, der fünf Jahre lang für GTS gearbeitet hat. Er macht eine Forderung von über 12'000 Franken aus ausstehenden Löhnen und nicht bezahlten Leistungen geltend, die durch ein Urteil des Bellinzonaer Bezirksgerichts anerkannt wurde. Die Firma hatte sich verpflichtet, bis zum 30. Mai 2026 zu zahlen, meldete aber vor der Zahlung Konkurs an. Davide weiss nicht, ob er das Geld je sehen wird.
Gleiche Verantwortliche, Verdacht auf Konkursdelikte
Der Konkurs der GTS Trasporti SA wurde am 19. Mai vom Bezirksgericht Bellinzona ausgesprochen. Keinen Monat später wurde die GTS Transport & Logistics Sagl mit Sitz in Contone gegründet, die dieselbe Tätigkeit mit demselben Hauptverantwortlichen fortführt. Ende Mai beliefen sich die Betreibungen gegen die alte Firma auf über 1,5 Millionen Franken.
Der Präsident der neuen Firma ist zugleich Eigentümer von Enzo Cars, einer Garage, die mit Fahrzeugen handelt. Laut der Recherche von Falò soll die GTS Trasporti SA in den Wochen vor dem Konkurs mehrere Fahrzeuge an Enzo Cars übertragen haben. Die Gewerkschaft Unia hat den Fall dem Konkursamt und der Staatsanwaltschaft gemeldet und vermutet, dass ein Teil der Aktiven der Konkursmasse zum Schaden der Gläubiger und der Angestellten entzogen wurde. Nach einem Konkurs eine neue Firma zu gründen ist legal; zu klären bleibt, ob es auch legal war, Vermögenswerte zu veräussern, während Betreibungsverfahren liefen.
Unia gibt an, die Unregelmässigkeiten von GTS bereits im April 2025 sowohl der kantonalen paritätischen Kommission für das Transportgewerbe als auch DHL gemeldet zu haben: nicht anerkannte Verpflegungszulagen und Überstunden, nicht eingehaltene Mindestlöhne. Die paritätische Kommission hatte die Firma bereits im September 2023 kontrolliert und dabei zahlreiche Verstösse festgestellt; sie verhängte eine der höchsten Bussen ihrer Geschichte, rund 20'000 Franken, die wegen des Konkurses nie eingetrieben werden konnte.
DHL Schweiz erklärt, keine Angaben zu den Vertragsmodalitäten mit Dritten machen zu können, bestätigt aber eine langjährige Vertragsbeziehung mit der Gestione Trasporto Servis SA, die einen Teil der Zustellungen im Tessin für DHL übernimmt und von der Auflösung der GTS Trasporti SA grundsätzlich nicht betroffen ist. Das Unternehmen gibt an, vor rund vier Monaten von mutmasslichen Unregelmässigkeiten erfahren und in den letzten Wochen entsprechende Massnahmen eingeleitet zu haben, ohne deren Inhalt zu präzisieren. Die Verantwortlichen von GTS versichern, dass alle Angestellten von der neuen Firma zu denselben Lohnbedingungen übernommen wurden, ohne Lohneinbussen oder Tage der Arbeitslosenentschädigung.
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