Welt Migration
Japan prüft eine Obergrenze für die ausländische Bevölkerung
Eine Regierungskommission soll bis Ende Jahr eine Linie erarbeiten, die erstmals zahlenmässige oder prozentuale Grenzen festlegen könnte.
Die japanische Regierung unter der konservativen Premierministerin Sanae Takaichi verschärft die Zuwanderungskontrollen und prüft die Einführung einer Obergrenze für die ausländische Bevölkerung.
Die Frage wurde kürzlich von einer Kommission unter dem Vorsitz von Hiroshi Ohashi, Professor an der Universität Tokio, erörtert. Das Gremium soll die Auswirkungen der Zuwanderung auf Demografie und Wirtschaft untersuchen und bis Ende Jahr eine Grundlinie festlegen, die zahlenmässige oder prozentuale Grenzen für die ausländische Präsenz enthalten könnte. Für Japan wäre das ein Novum.
Die Initiative geht auf eine Vereinbarung zwischen der regierenden Liberaldemokratischen Partei und der Japanischen Innovationspartei zurück. Die Koalition hatte zunächst eine umfassende Obergrenze verlangt, die Formulierung dann aber zu einer quantitativen Steuerung abgeschwächt, um interne Spannungen zu vermeiden.
Zahlen und neue Regeln
Nach Angaben des Innenministeriums leben heute 3,9 Millionen ausländische Personen in Japan, das sind 3,2 Prozent der Bevölkerung. Eine Projektion von 2023 geht davon aus, dass dieser Anteil bis 2070 auf 10 Prozent steigen könnte, eine Schwelle, die andernorts mit sozialen Spannungen in Verbindung gebracht wird.
Die Einwanderungsbehörde hat unterdessen die Voraussetzungen für die dauerhafte Niederlassung verschärft. Ab dem 1. Oktober müssen Antragstellende ein Haushaltseinkommen über dem japanischen Durchschnitt sowie eine Altersvorsorge im Umfang von dreissig Beitragsjahren nachweisen. Die Gebühr für das Niederlassungsgesuch steigt um das Zwanzigfache, von 10 000 auf 200 000 Yen, rund 1100 Euro.
Verschiedene Beobachtende warnen, strengere Regeln könnten ausländische Arbeitskräfte abschrecken, in einem Land mit einer beispiellosen demografischen Krise und chronischem Arbeitskräftemangel. Japan muss damit zwischen zwei Anliegen entscheiden, die in entgegengesetzte Richtungen ziehen: das Wachstum der ausländischen Präsenz zu begrenzen und zugleich jene Menschen zu finden, welche die Wirtschaft am Laufen halten.
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