Kanton Schule
Rekordzahl an Schülern in Poschiavo, Gemeinde prüft einen einzigen Schulstandort
In Poschiavo zählt die vierte Klasse 51 Schülerinnen und Schüler, so viele, dass in Santa Maria kurzfristig ein neues Klassenzimmer eingerichtet werden musste. Die Gemeinde prüft nun, alle Standorte in einem einzigen Schulzentrum für 30 Millionen Franken zusammenzufassen.
Das Schuljahr hat am 17. August für den Grossteil der Schulen im italienischsprachigen Graubünden begonnen; im Misox beginnt der Unterricht am 24. August. In Poschiavo zeigt sich in diesem Jahr eine demografische Besonderheit: Der Geburtenboom von 2016 schlägt sich in 51 Schülerinnen und Schülern der vierten Klasse nieder – eine Zahl, die die Schule Santa Maria dazu gezwungen hat, im Erdgeschoss ein zusätzliches Klassenzimmer einzurichten, um alle unterzubringen.
Die aus der Not geborene Massnahme lenkt den Blick auf eine grössere Frage: die Zukunft der Schulgebäude der Gemeinde. Die fünf Gebäude, in denen die Schülerinnen und Schüler von San Carlo bis Le Prese unterrichtet werden, zeigen deutliche Alterserscheinungen und entsprechen nicht mehr den heutigen didaktischen Anforderungen, insbesondere dem Lehrplan 21 (PS21). Das Programm, das seit dem Schuljahr 2018/19 schrittweise eingeführt wird, setzt auf einen kompetenzorientierten Ansatz und hat Bereiche wie Medien und Informatik, Berufsorientierung sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung eingeführt; es fördert zudem die fächerübergreifende Zusammenarbeit unter den Lehrpersonen. Dafür braucht es flexiblere Räume, die sich für Gruppenarbeit und den Einsatz digitaler Hilfsmittel eignen.
"Il comune di Poschiavo nei prossimi anni, volente o nolente, dovrà investire 12 milioni di franchi per l'istituto scolastico di Santa Maria. A questo punto la questione è: con le sedi esterne facciamo gli stessi investimenti, che sono comunque necessari, o creiamo una sede scolastica unica per il comune di Poschiavo a Santa Maria?" (deutsch: «Die Gemeinde Poschiavo wird in den kommenden Jahren, ob sie will oder nicht, 12 Millionen Franken in die Schulanlage Santa Maria investieren müssen. Die Frage lautet: Tätigen wir an den Aussenstandorten dieselben – ohnehin notwendigen – Investitionen, oder schaffen wir für die Gemeinde Poschiavo einen einzigen Schulstandort in Santa Maria?»), erklärte Michel Castelli vom Infrastrukturdepartement Poschiavo gegenüber der Sendung «Il Quotidiano» von RSI.
Ein einziger Standort, aber teurer
Eine Vorstudie, die von Fabio Zanetti vom Schulrat vorgestellt wurde, skizziert, wie das neue Schulzentrum aussehen könnte: neue Bauten für den Kindergarten, die Kinderkrippe, zusätzliche Klassenzimmer, die Turnhalle, den Zivilschutz, die Schutzräume, die Aula und die Tagesstrukturen. Die Sanierung der verstreuten Standorte wäre günstiger als die zentrale Lösung, doch laut Zanetti «bisogna anche mettere in conto i benefici che questo progetto centrale potrebbe avere» («man muss auch die Vorteile berücksichtigen, die dieses zentrale Projekt bringen könnte»), etwa bei den Einsparungen beim Schülertransport.
Zu den genannten Vorteilen zählt auch eine engere Zusammenarbeit unter den Lehrpersonen. «Questo permetterebbe ai docenti di comunicare tra loro velocemente, di programmare insieme, di creare attività condivise. Da un punto di vista delle risorse umane sarebbe un buon cambiamento, con meno spostamenti da una sede all'altra e meno tempi morti» («Das würde es den Lehrpersonen ermöglichen, sich rasch auszutauschen, gemeinsam zu planen und gemeinsame Aktivitäten zu gestalten. Personell wäre das eine gute Veränderung, mit weniger Wegen zwischen den Standorten und weniger Leerzeiten»), erklärte Sabina Paganini, Schulleiterin von Poschiavo.
Die Investition für einen einzigen Schulstandort könnte bis zu 30 Millionen Franken erreichen und würde etappenweise umgesetzt. Das Gemeindeparlament hat im Juni bereits eine Vorfinanzierung von 5 Millionen Franken bewilligt. Offen bleibt, wie sich die Kosten über die Zeit verteilen und was der Wechsel von Quartierschulen zu einem einzigen Zentrum für die Familien in den von Santa Maria entfernteren Fraktionen bedeuten würde – mit Blick auf die Fahrzeiten der Kinder und die Zukunft der Aussendörfer.
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