Wirtschaft Geldpolitik
Warsh, der Fed-Vorsitzende, deutet Zinserhöhung an
Kevin Warsh, von Trump an die Spitze der Federal Reserve berufen, hat in Jackson Hole erklärt, die Bekämpfung der Inflation habe nun Priorität und die Zinsen könnten steigen – entgegen den Erwartungen des Weissen Hauses.
Kevin Warsh, der von Donald Trump ernannte Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, hat die Märkte am Freitag mit einer Rede überrascht, die eine mögliche Zinserhöhung andeutet. Diese Haltung widerspricht den Erwartungen des Weissen Hauses, das mit ihm auf eine lockerere Geldpolitik gesetzt hatte.
Warshs Auftritt beim jährlichen Treffen in Jackson Hole, Wyoming, wurde mit Spannung erwartet. Seit seinem Amtsantritt im Mai hatte der Notenbankchef eine sehr zurückhaltende Kommunikation gepflegt.
„La priorità è ora la lotta contro l'inflazione“ („Die Priorität ist nun der Kampf gegen die Inflation“), erklärte Warsh und verwies dabei auf den Krieg im Nahen Osten und den Anstieg der Energiepreise. In der Sprache der Notenbanker ist eine solche Betonung der Preise meist der Vorbote einer geldpolitischen Straffung.
Märkte und Spannungen mit Trump
Die Investoren haben ihre Erwartungen rasch angepasst. Laut dem Instrument CME FedWatch überwiegt nun das Szenario einer Zinserhöhung – die erste seit dem Sommer 2023.
Die Wende bringt Warsh in eine heikle Lage gegenüber Trump, der ihn gerade im Hinblick auf eine expansivere Geldpolitik ausgewählt hatte. Der Präsident hatte zuvor eine Druckkampagne gegen den Vorgänger Jerome Powell geführt, der die Unabhängigkeit der Notenbank verteidigt hatte. Warsh ist auf diese Frage öffentlich nicht eingegangen.
Für die Ökonomin Heather Long hat „Kevin Warsh ha aperto la porta a un aumento dei tassi“ („Kevin Warsh die Tür für eine Zinserhöhung geöffnet“). „Probabilmente non avverrà a settembre, ma a ottobre o dicembre“ („Wahrscheinlich wird es nicht im September geschehen, sondern im Oktober oder Dezember“), fügte sie an.
Im Juli lag die Inflation in den USA bei 3,7 Prozent im Jahresvergleich, deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Warsh warnte, man habe „abbiamo del lavoro da fare“ („noch Arbeit vor sich“), sollte die Kerninflation nicht „chiaramente e sufficientemente rapidamente“ („klar und ausreichend schnell“) zurückgehen.
Eine Zinserhöhung würde auch die Kosten der amerikanischen Staatsverschuldung sowie die Kredite für Unternehmen und Haushalte verteuern. Es bleibt abzuwarten, ob die Fed den in Jackson Hole eingeschlagenen Kurs trotz des Drucks aus dem Weissen Haus beibehält: Die Glaubwürdigkeit der Institution misst sich an den Märkten auch an dieser Standhaftigkeit.
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