Schweiz Krebsvorsorge
Schweizer Studie testet individuelles Screening für Darmkrebs
Die Studie PRESENT-CRC will die Früherkennung von Darmkrebs an das individuelle Risiko anpassen. Sie umfasst sechs Kantone und will bis Ende Jahr 8000 Teilnehmende erreichen.

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebsart in der Schweiz. Wird er frühzeitig erkannt, bevor er sich auf andere Organe ausbreitet, ist er in den meisten Fällen heilbar. Die Früherkennung stützt sich heute auf zwei Methoden: die Darmspiegelung, die alle zehn Jahre wiederholt werden sollte, oder der FIT-Test, der Blutspuren im Stuhl nachweist und alle zwei Jahre erneuert werden muss.
Eine umfangreiche klinische Studie in der Schweiz namens PRESENT-CRC will diesen Ansatz verändern. Koordiniert von UniSanté und unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds, will die Studie 8000 Personen in sechs Kantonen einbeziehen: Genf, Waadt, Freiburg, Bern, Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Die Idee ist, die Untersuchungen auf das individuelle Risiko abzustimmen, statt allen Personen ab 50 Jahren dasselbe Vorgehen vorzuschlagen.
Ein Rechner zur Orientierung
Das Risiko jeder teilnehmenden Person wird mit einem Instrument geschätzt, das rund zehn Faktoren kombiniert: Alter, Geschlecht, familiäre Vorgeschichte, Diabetes, Übergewicht, Alkohol- und Tabakkonsum. Kevin Selby, der für die Studie verantwortliche Arzt, erklärt, dass viele Personen mit niedrigem Risiko sich dennoch für eine Darmspiegelung entscheiden, "un esame che richiede l'intervento di specialisti e comporta anche un impatto ambientale significativo" (ein Eingriff, der Fachpersonal erfordert und auch eine erhebliche Umweltbelastung mit sich bringt). Personen mit geringem Risiko zum FIT-Test zu lenken, würde medizinische Ressourcen für jene freisetzen, die sie wirklich benötigen.
Selby präzisiert, dass das Instrument "non è perfetto e non può escludere completamente il rischio di cancro" (nicht perfekt sei und das Krebsrisiko nicht vollständig ausschliessen könne), es aber erlaube, Personen mit niedrigem Risiko zu identifizieren und ihnen weniger invasive Untersuchungen vorzuschlagen.
Die im Rahmen der Studie gesammelten Daten sollen mit Zustimmung der Teilnehmenden auch dazu dienen, den Risikorechner zu verbessern und weitere Forschungsfragen zu beantworten. Bisher wurden 4800 Personen rekrutiert; das Ziel ist, bis Ende Jahr 8000 zu erreichen. Wer zwischen 50 und 75 Jahre alt ist und sich nicht kürzlich einer Vorsorgeuntersuchung unterzogen hat, kann noch per Post kontaktiert werden oder sich online anmelden.
Die Studie betrifft vorerst sechs Kantone der Romandie und der Deutschschweiz, nicht das Tessin. Bestätigen die Ergebnisse den Nutzen eines personalisierten Screenings, stellt sich den Gesundheitsbehörden auch die Frage, wie dieser Ansatz gerecht auf alle Landesteile ausgeweitet werden kann, um unnötige Untersuchungen zu reduzieren, ohne jene zu vernachlässigen, die am meisten auf Kontrollen angewiesen sind.
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