Schweiz Meteorologie
Gewitter wie Popcorn: Warum die Prognosen unsicher bleiben
Der neue Prognoseverantwortliche von SRF erklärt die Grenzen der Modelle bei Gewitterzellen. Und vergleicht diesen Sommer mit jenem von 2003.
Ein Bulletin, das sechzig oder siebzig Prozent Regenwahrscheinlichkeit angibt, ist kein Ausdruck bürokratischer Vorsicht. Es ist die korrekte Art, ein Phänomen zu beschreiben, das die Modelle nur in Wahrscheinlichkeiten erfassen können. Das erklärt Gaudenz Flury, Meteorologe und neuer Prognoseverantwortlicher bei SRF.
Zur Veranschaulichung greift Flury zum Bild von Popcorn in einer Pfanne. Man weiss, dass die Körner aufplatzen werden, und man weiss ungefähr, wann der Vorgang beginnt. "Man weiss aber nicht genau, welches Korn wann aufplatzt", sagt er. Sommerliche Gewitterzellen funktionieren gleich: Die labile Luftmasse deckt eine ganze Region ab, während sich das einzelne Gewitter über wenigen Quadratkilometern bildet und einige Dutzend Minuten dauert.
Das erklärt den Unterschied zwischen zwei benachbarten Tälern, von denen eines dreissig Millimeter Regen in einer halben Stunde erhält und das andere trocken bleibt. Die Prognose ist in beiden Fällen richtig, denn sie gab die Wahrscheinlichkeit an, nicht den genauen Ort.
Der Vergleich mit 2003
Flury geht auch auf den Vergleich mit dem Sommer 2003 ein, der als Jahrhundertsommer bezeichnet wurde. In Basel zeigte das Thermometer 39,7 Grad. "Das Unglaubliche ist, dass wir uns nur 23 Jahre nach dem sogenannten Jahrhundertsommer erneut fragen müssen, ob dieser Sommer noch extremer ist", stellt er fest.
Der Vergleich betrifft vor allem die Alpennordseite, wo die Beständigkeit des Hochdruckgebiets und das Ausbleiben atlantischer Störungen eine lange Folge heisser Tage erzeugt haben. Auf der Alpensüdseite verläuft die Dynamik anders: Südströmungen bringen Feuchtigkeit aus dem Mittelmeerraum, und abendliche Gewitter sind häufiger, reichen aber oft nicht, um das aufgelaufene Wasserdefizit auszugleichen.
Dass zwei als aussergewöhnlich bezeichnete Sommer so nahe beieinander liegen, ist jener Befund, den Klimatologen am häufigsten heranziehen, um die Verschiebung des Mittelwerts zu erklären. Verändert sich der zentrale Wert der Verteilung, wird aus dem einst seltenen Extrem ein gewöhnliches Ereignis, und das Vokabular der Rekorde funktioniert nicht mehr.
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