Wirtschaft Telekommunikation
Swisscom eröffnet Standort in Lissabon, Gewerkschaft kritisiert Entscheid
Der Konzern startet 2027 ein portugiesisches Zentrum für IT- und Finanzdienstleistungen mit rund vierzig Stellen, die auf zweihundert wachsen sollen. Für Syndicom verlagert der Entscheid wertschöpfende Funktionen ins Ausland.
Swisscom wird einen neuen Standort in Lissabon eröffnen. Die Ankündigung erfolgte bei der Präsentation der Halbjahreszahlen und stiess sogleich auf den Widerstand von Syndicom, der Gewerkschaft der Kommunikationsbranche.
Der portugiesische Standort ergänzt jene in Riga und Rotterdam. Er wird Technologie- und Unternehmensdienstleistungen in den Bereichen Informatik und Finanzen erbringen. Die Tätigkeit beginnt 2027 mit rund vierzig Mitarbeitenden, die mittelfristig auf etwa zweihundert anwachsen sollen.
Das Unternehmen begründet den Schritt mit der Notwendigkeit, die eigene Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken.
Die Einwände der Gewerkschaft
Syndicom hält den Entscheid für umso fragwürdiger, als die Rechnung des Konzerns gut dasteht. Aus Sicht der Gewerkschaft zeigt der Schritt eine falsche Prioritätenordnung, weil Funktionen mit hoher Wertschöpfung und nicht Randtätigkeiten ins Ausland verlegt werden.
Die Gewerkschaft äussert zudem einen wirtschaftlichen Zweifel. Sie fragt, ob die kurzfristige Lohnersparnis die höheren Koordinationskosten zwischen weit auseinanderliegenden Standorten tatsächlich aufwiegt.
Offen bleibt schliesslich die Frage nach der Rolle des Unternehmens. Swisscom ist ein staatsnaher Betrieb, was für Syndicom eine besondere Verantwortung gegenüber der Schweizer Wirtschaft mit sich bringt.
Der Markt las die Nachricht gegenteilig. Die Aktie gewann an der Zürcher Börse über 4%. Seit Jahresbeginn beträgt der Zuwachs 11%, gleich viel wie über zwölf Monate, während er über fünf Jahre bei 18% liegt.
Der Konzern ging 1997 aus der Telecom PTT hervor und ist seit 1998 selbstständig. Heute beschäftigt er 23'300 Personen und erzielte 2025 einen Umsatz von 15,0 Milliarden Franken. Ein bedeutender Teil der Tätigkeit findet über Fastweb und Vodafone in Italien statt.
Der Gegensatz zwischen der Reaktion der Investoren und jener der Belegschaft fasst den Kern zusammen. Ein Dienstleistungszentrum im Ausland senkt die Fixkosten und verbessert die erwarteten Margen, entzieht dem Schweizer Arbeitsmarkt aber qualifizierte Stellen, die bisher im Land geblieben sind.
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