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Kultur Geschichte

Die Maria-Theresia-Strasse, ein Kaufmannsweg im Misox

Der alte Saumweg zwischen Roveredo und dem Passo San Jorio wurde nach rund drei Jahren Arbeit wieder instand gestellt. Der Historiker Gionata Pieracci erinnert daran, dass Maria Theresia von Österreich ihn nie begangen hat.

von Redazione 4. August 2026 2 Min. Lesezeit Grigioni

Ein alter Saumweg ist nach rund drei Jahren Instandstellungsarbeiten wieder begehbar. Der Weg beginnt in Roveredo, durchquert das Val Albionasca und erreicht den Passo San Jorio in Richtung des oberen Comersees und des Chiavennatals.

Von einer einzigen Strasse zu sprechen, ist allerdings ungenau. Der Weg war in Wirklichkeit ein Netz paralleler Pfade, die jeweils an die Geländeverhältnisse angepasst wurden.

Die schriftlichen Quellen verfolgen seine Geschichte ab dem Spätmittelalter. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Weg zur Förderung des Handels wieder geöffnet und erhielt den Namen Strada Mercanti dell'Albionasca. Er war eine der drei grossen Querverbindungen der Region und verband Landwege mit der Schifffahrt auf dem See.

Waren, Schmuggel und ein irreführender Name

Der Weg verband das Misox und das Sopraceneri mit dem Chiavennatal und dem oberen Comersee. Über die Pfade gelangten vor allem lombardisches Getreide und Alpvieh.

Dieselben Wege dienten auch dem Schmuggel, der die weniger überwachten Varianten des Netzes nutzte.

Zum Namen korrigiert der Historiker Gionata Pieracci eine verbreitete Annahme. Maria Theresia von Österreich hat diese Strasse nie begangen. Die Herrscherin trat im 18. Jahrhundert als Vermittlerin in den Handelsverhandlungen zwischen Dongo und den Drei Bünden über den Getreidehandel auf, doch der österreichische Hof nahm keine direkten Eingriffe am Weg vor.

Der Korridor wurde auch im 20. Jahrhundert weiter genutzt. Zwischen den beiden Weltkriegen entstanden militärische Verteidigungsanlagen, die denselben historischen Übergängen folgten.

Pieracci stammt aus Roveredo und schloss sein Geschichtsstudium an der Universität Mailand ab. Seine Arbeit begleitet die bauliche Instandstellung des Weges mit der Rekonstruktion seiner wirtschaftlichen Funktionen.

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