Schweiz Geschlechtsspezifische Gewalt
Chemische Unterwerfung: Baume-Schneider fordert mehr Prävention und Härte
In einem Interview mit dem SonntagsBlick erklärt die Bundesrätin, das Phänomen sei noch zu wenig bekannt und geschehe auch in den eigenen vier Wänden. Ein nationaler Aktionsplan soll nächstes Jahr vorgestellt werden.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider fordert ein entschiedeneres Engagement gegen die chemische Unterwerfung, also das Verabreichen von Substanzen, die eine Person wehrlos und gefügig machen. In einem Interview mit dem SonntagsBlick stellte die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) fest, die Öffentlichkeit habe bisher zu wenig darüber gewusst, dass solche Übergriffe auch in den eigenen vier Wänden geschehen.
Für die 62-jährige Sozialdemokratin, die für den Kanton Jura in den Bundesrat gewählt wurde, braucht es mehr Prävention durch Information sowie Justizbehörden, die die Straftaten konsequent verfolgen. Gewalt gegen Frauen, erinnerte sie, sei ein strukturelles Problem, das in der ganzen Gesellschaft vorhanden ist.
Rechtlich sind solche Handlungen durch das Betäubungsmittelgesetz des Bundes bereits verboten. Laut Baume-Schneider gibt es dennoch Spielraum für Verbesserungen. Mehrere im Parlament eingereichte Initiativen zielen darauf ab, die Gesetzeslücken bei der Verfügbarkeit bestimmter Medikamente zu schliessen; die Regulierung dieser spezifischen Arzneimittel wird derzeit diskutiert.
In der Schweiz ist das Thema mit dem Fall eines ehemaligen SVP-Grossrats aus dem Kanton Aargau wieder aktuell geworden. Ihm wird vorgeworfen, mehrere Frauen, darunter eine Minderjährige, betäubt und anschliessend vergewaltigt zu haben. Die beiden Frauen, die den Mut hatten, den Fall öffentlich zu machen, hätten grosse Stärke bewiesen, sagte die Bundesrätin.
Auf internationaler Ebene wurde das Schweigen über das Phänomen durch den Fall der Französin Gisèle Pelicot gebrochen, der die chemische Unterwerfung einem breiten Publikum bekannt gemacht hat.
Ein nationaler Aktionsplan
Die nationale Strategie gegen häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt war im Februar vom Bund angekündigt worden. Nun führen das EDI und das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement ihre Aktivitäten in einem einzigen Aktionsplan zusammen. Die Vorstellung des Dokuments ist für nächstes Jahr, 2027, vorgesehen.
Den Opfern empfiehlt Baume-Schneider schliesslich, nicht zu zögern, Hilfe zu suchen, und sich umgehend in ein Spital zu begeben.
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