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Schweiz Klimaanpassung

Wasser zurückhalten statt abfliessen lassen: die Slow-Water-Methode

Hundertzehn Schweizer Landwirtschaftsbetriebe erproben Teiche, Furchen und Futterbäume, um das Wasser im Boden zu halten. Das Projekt des Bundes läuft bis 2030.

von Brenno 11. August 2026 3 Min. Lesezeit

In Ellbach in der Napfregion im Kanton Luzern sind die Wiesen rund um den Betrieb von Urs Burri Ende Juli verbrannt wie fast überall. Mitten darin liegt jedoch ein im Frühling ausgehobener Teich mit zwei kleineren Rückhaltebecken. Das Wasser bleibt weder stehen, noch wird es abgeleitet: Es tritt langsam aus Drainagerohren aus und hält den darunterliegenden Boden feucht.

Burri führt einen biodynamischen Familienbetrieb mit Milchkühen, Schweinen, Geflügel, Truten und Bienen sowie achtzig Hochstamm-Obstbäumen. Das Problem sei nicht die Regenmenge, erklärt er, sondern deren Verteilung: Es regnet stark in wenigen Stunden, dann fällt wochenlang nichts. Für einen Bauern ist der Boden das Kapital, und ein Boden, der nichts hergibt, bedeutet kein Futter und kein Einkommen.

Seit rund zweieinhalb Jahren nimmt sein Betrieb an «Slow Water» teil, einem Projekt des Bundesamts für Landwirtschaft, mitfinanziert von den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Luzern. In den Pilotregionen beteiligen sich rund 110 Betriebe. Das Programm läuft von 2024 bis 2030 und hat sich messbare Ziele gesetzt: den Verbrauch von externem Wasser im Pflanzenbau um über 30 Prozent und in der Tierhaltung um über 20 Prozent zu senken.

Vorgesehen sind fünfzehn Massnahmen in zwei Gruppen. Auf der einen Seite die hydrotechnischen Eingriffe: Teiche, Rückhaltebecken, Versickerungsgräben, regulierbare Drainagen, Keyline. Auf der anderen die landwirtschaftlichen Praktiken: reduzierte Bodenbearbeitung, Humusaufbau, Untersaat, Hecken, Agroforstsysteme. Burri hat rund vierzig Zentimeter tiefe Keyline-Furchen entlang der Höhenlinien gezogen, die die Erosion bremsen und das Wasser in trockenere Zonen leiten, und daneben Futterbäume gepflanzt: Die Wurzeln halten den Boden, die Kronen spenden Schatten, die Blätter liefern den Tieren Mineralstoffe.

Wer keine Alternative hat

Oliver Schilling, Professor für Hydrologie an der Universität Basel und Forscher an der Eawag, fasst das Projekt in zwei Zielen zusammen: die Bodenerosion verringern und das Wasser so lange wie möglich in der Landschaft halten, um es bei Knappheit nutzen zu können. Seine Unterscheidung ist ebenso politisch wie technisch. Das Mittelland kann auf grosse Fliessgewässer, Seen und Grundwasser zählen; den Voralpen, dem Jura und den Bergregionen fehlt bei einer langen Dürre ein Plan B. Wasser zurückzuhalten sei eine Umkehr gegenüber früher, als Feuchtgebiete entwässert wurden, um Kulturland zu gewinnen.

Die Ergebnisse zeigen sich nicht in einer Saison. Burris Weiden sind mit Sensoren bestückt, die Niederschlag, Bodenfeuchte, Wasserstände und Abflüsse messen, mit unbehandelten Kontrollflächen neben den behandelten. Schillings Gruppe nutzt diese Daten, um eine nationale Karte der je nach Region wirksamsten Massnahmen zu erstellen, und sagt, sie sei dem Ziel nahe.

Der Rahmen verschlechtert sich derweil. Zwischen April und Juni dieses Jahres fielen in der Schweiz 56 Prozent der Niederschläge des dreissigjährigen Mittels, und mit dem Juli hält die Dürre dem Vergleich mit jenen von 1976, 2003 und 2018 stand. In einzelnen Regionen ging die Milchproduktion um bis zu 30 Prozent zurück. Im Juni und Juli wurden fast 70'000 Rinder ohne Kälber geschlachtet, gegenüber rund 60'700 im Vorjahr: über fünfzehn Prozent mehr. Burri sagt, er hoffe auf einen regnerischen Spätsommer, der ihm genügend Heu erlaube und den Verkauf von Tieren erspare. Sein Sohn ist Landwirt in Ausbildung.

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