Wirtschaft Risikokapital
Eine Milliarde und hundert Millionen für ein zwei Monate altes Unternehmen
River AI, gegründet vom früheren xAI-Mitgründer Igor Babuschkin, sammelt 1,1 Milliarden Dollar aus Seed- und Serie-A-Runde ein. Angeführt wird sie von General Catalyst und Amp, mit Nvidia, Amd, Y Combinator und Temasek. Die geschätzte Bewertung liegt bei rund fünf Milliarden.
River AI trat am 10. Juni dieses Jahres aus dem Verborgenen. Zwei Monate später gab das Unternehmen bekannt, zwischen Seed-Runde und Serie A 1,1 Milliarden Dollar eingesammelt zu haben. Angeführt wird die Finanzierung von General Catalyst und Amp Pbc; beteiligt sind unter anderem Nvidia, Amd Ventures, Y Combinator und der singapurische Staatsfonds Temasek. Die geschätzte Bewertung nach der Runde liegt bei etwa fünf Milliarden Dollar.
Gründer ist Igor Babuschkin, der xAI nach der Mitgründung verlassen hat und zuvor bei DeepMind und OpenAI arbeitete. Das Unternehmen erklärt, die technologische Kette der künstlichen Intelligenz von Grund auf neu bauen zu wollen, angefangen bei der Art, wie Modelle trainiert werden. Ziel sei es, massgeschneidertes Training schneller, günstiger und zugänglicher zu machen für Entwicklerinnen und Firmen, die es sich heute nicht leisten können. Die erklärte Positionierung unterscheidet sich bewusst von jener der grossen Labore: keine Assistenten, die menschliche Arbeit ersetzen sollen, sondern Modelle, welche die einzelne Nutzerin oder das einzelne Unternehmen für sich trainieren kann.
Die Summe und der Kalender
Bemerkenswert ist nicht die Summe an sich, im Sektor längst gewöhnlich, sondern ihr Verhältnis zum Kalender. Eine Milliarde und hundert Millionen für ein Unternehmen, das im Juni noch kein öffentliches Produkt hatte, bedeutet, dass die Investoren den Ruf der Gründer und die Knappheit der Kompetenzen bewerten, nicht die Einnahmen. Dieselbe Dynamik hat in den letzten zwei Jahren zu Milliardenbewertungen für Firmen ohne Umsatz geführt und nährt die Debatte darüber, wie tragfähig dieser Markt ist.
Dabei sind nicht alle Investoren reine Finanzgeber. Nvidia und Amd, die sich an der Runde beteiligen, verkaufen die Prozessoren, auf denen die Modelle trainiert werden: Wer künftige Chipkäufer finanziert, betreibt zuerst Industriepolitik und erst danach Spekulation. Dieses Muster kehrt in den meisten grossen Runden der Branche wieder. Es macht es schwieriger, die Höhe des investierten Kapitals als unabhängiges Marktsignal zu lesen.
Unterdessen fliesst das Kapital weiter. Allein in der Woche, in der River AI seine Runde bekannt gab, unterzeichnete Anthropic einen Zwanzigjahresvertrag über 9,1 Milliarden Dollar für Rechenkapazität in Texas. Grössenordnungen, die vor wenigen Jahren noch eine Ausnahme signalisierten, sind zum gewöhnlichen Takt des Sektors geworden.
Kommentare
Es gibt noch keine Kommentare. Deine Stimme kann die erste sein.