Zum Inhalt
il Cantonale

Unabhängige digitale Zeitung der italienischen Schweiz

Schweiz Fünfte Schweiz

Das Flussbad, die Schweizer Gewohnheit, die im Ausland kaum möglich ist

Im Ausland lebende Schweizerinnen und Schweizer berichten von verschmutzten Gewässern, Krokodilen und fehlenden Flüssen. Der Vergleich zeigt, wie selten badbares Wasser ist.

von Redazione 11. August 2026 2 Min. Lesezeit

In der Schweiz springt man im Sommer ohne nachzudenken in die Aare oder in den Rhein, und das wirkt selbstverständlich. Die unter den im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizern gesammelten Zeugnisse zeigen, dass es das keineswegs ist.

Das erste Hindernis ist die Wasserqualität. Wer in Mexiko lebt, berichtet, dass Abwässer direkt in die Flüsse gelangen. Von einem Leser in Thailand kommt eine ebenso knappe Beschreibung: Das Wasser ist sehr schmutzig. Im Vereinigten Königreich betrifft das Problem ungeklärtes Abwasser, das in die Gewässer eingeleitet wird und vom Baden abraten lässt; von dort stammt auch das ausdrückliche Bedauern über die Aare und den Thunersee.

Das zweite Hindernis ist die Tierwelt. In Kenia, schreibt jemand, der dort lebt, sind viele Flüsse ausgetrocknet und andere von Krokodilen besetzt. Aus Florida kommt eine als Regel formulierte Warnung: In jedem Gewässer muss man stets davon ausgehen, dass ein Alligator darin ist. Aus Südafrika werden Begegnungen mit Krokodilen und Flusspferden gemeldet.

Andernorts stellt sich die Frage schlicht nicht. Auf Bonaire in der Karibik gibt es weder Bäche noch Flüsse: Man schwimmt im Meer. In den Niederlanden bleibt das Baden in den Kanälen dagegen verbreitet, trotz formeller Verbote.

Was eine Gewohnheit möglich macht

Der rote Faden der Antworten ist die Sehnsucht, und mehr als eine Person drückt sie unverblümt aus. Eine, die in der Mojave-Wüste lebt, schrieb, sie werde am folgenden Tag die Schweiz wieder verlassen und das Schwimmen sehr vermissen.

Der Vergleich liefert aber auch eine weniger gefühlsbetonte Erkenntnis. Dass ein Fluss, der eine Stadt durchquert, badbar ist, ist kein Naturzustand: Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Abwasserreinigung, von Einleitungsvorschriften und öffentlichen Investitionen in Anlagen, die niemand sieht. Die Schweizer Gewässer waren nicht immer sauber, und ihr heutiger Zustand hängt von einem System ab, das unterhalten werden muss.

Der Vergleich mit dem Vereinigten Königreich, wo die Frage der ungeklärten Abwässer im Zentrum der öffentlichen Debatte steht, zeigt, wie rasch dieser Zustand verloren gehen kann. Es ist die praktische Kehrseite einer Gewohnheit, die in der Schweiz als selbstverständlich gilt.

Kommentare

Keine Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare. Deine Stimme kann die erste sein.

Kommentar schreiben