Welt Fünfte Schweiz
In New Glarus hält der Schweizer Laden durch, doch die Regale leeren sich
Jacqueline Judd hat 2025 einen Laden mit Schweizer Produkten in Wisconsin übernommen. Dann kamen die Zölle, und die Lieferanten stellten den Versand ein.
New Glarus in Wisconsin zählt 2'300 Einwohnerinnen und Einwohner und wurde 1845 von Auswanderern aus Glarus gegründet. Die Häuser sind im Chaletstil gebaut, jedes Jahr wird das Swiss Volksfest gefeiert, und die Kleinstadt lebt zu einem guten Teil von der Anziehungskraft ihrer Herkunft. Hier hat Jacqueline Judd, gelernte Köchin, 2007 aus der Schweiz für eine Stelle in einem Restaurant gekommen, ihr eigenes Geschäft eröffnet.
Der Weg dorthin war lang. Nach der Küche arbeitete sie in einem Hundeheim, das sie später leitete, danach in einem Souvenirladen. 2025 übernahm sie das Schwizerlädeli, den zuvor von Esther Zgraggen geführten Laden mit Schweizer Produkten, und als erste Änderung wollte sie wieder ein physisches Ladenlokal öffnen. Heute heisst das Geschäft Jackie's Imports.
Das Sortiment ist erwartbar und zugleich mehr als das: Holzkühe und Glocken, Hemden mit Edelweiss, Zubehör für Fondue und Raclette, Dirndl und alpine Trachtenkleidung sowie die Seifen der Swiss Frau, hergestellt von einer Züchterin mit Schweizer Wurzeln. Die Kundschaft besteht aus amerikanischen Touristinnen und Touristen und aus Schweizerinnen und Schweizern verschiedener Generationen, die auch online aus anderen Gliedstaaten bestellen.
Dann kamen die Zölle
Wenige Monate nach der Übernahme änderten die von der US-Regierung eingeführten Zölle die Arbeitsbedingungen. «Im September und Oktober haben meine Lieferanten in der Schweiz praktisch nichts mehr verschickt», erzählt Judd. «Es war brutal.»
Das Problem war nicht nur der Preis. Sendungen blieben fast nur noch über Kurierdienste wie FedEx möglich, mit verdreifachten Kosten und deutlich längeren Lieferzeiten. Bis Ende Jahr leerte sich das Lager.
Es ist jene Art von Folge, die die Aussenhandelsstatistik nicht erfasst. Ein Betrieb dieser Grösse hat keine Marge, um höhere Transportkosten aufzufangen, kann den Lieferanten nicht wechseln, ohne aufzuhören zu verkaufen, wofür er existiert, und verfügt nicht über genug Vorräte, um abzuwarten, bis sich die Lage klärt.
Judd will nicht schliessen. Sie sagt, sie gebe noch nicht auf, und rechnet damit, sich schon im Lauf des Jahres einen Lohn auszuzahlen. Die Bindung an die örtliche Schweizer Gemeinschaft hält sie über informelle Treffen auf Deutsch und die Teilnahme an den Anlässen der Kleinstadt. Ob sie für immer in den Vereinigten Staaten bleibt, weiss sie nicht; sie anerkennt aber, dass sie dort aufbauen konnte, was sie hat, vom Hund über die Familie bis zum Geschäft.
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