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Die Schweiz zieht die künstliche Intelligenz an, doch nicht alle Firmen bleiben

2025 zählte das Land über 110 KI-Forschende pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner, der höchste Anteil weltweit. Exportkontrollen und die verwischte Grenze zum Militärischen treiben jedoch einzelne Unternehmen weg.

von Gottardo 6. August 2026 3 Min. Lesezeit

2025 zählte die Schweiz über 110 Forschende im Bereich künstliche Intelligenz pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Laut dem AI Index Report 2026 von Stanford ist das die höchste Dichte weltweit, doppelt so hoch wie jene der Vereinigten Staaten und konkurrierender Standorte wie des Vereinigten Königreichs.

Die Anziehungskraft zeigt sich in den Entscheiden der Unternehmen. Das Büro von Google in Zürich ist das grösste Entwicklungszentrum des Konzerns ausserhalb der Vereinigten Staaten. Zwischen 2024 und 2026 haben OpenAI, Anthropic, Microsoft, Apple und Meta ihre Forschungstätigkeit im Land ausgebaut.

Die Liste geht weiter. Das Projekt Prometheus von Jeff Bezos hat nach San Francisco und London einen Sitz in Zürich eröffnet. Das von Marc Raibert von Boston Dynamics gegründete Robotics and AI Institute hat dort 2025 sein europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum angesiedelt. Im selben Jahr verlegte Neura Robotics die Entwicklung des humanoiden Roboters 4NE1 in die Schweiz. Im Mai 2025 eröffnete die Europäische Weltraumorganisation das Zentrum ESDI im Switzerland Innovation Park Innovaare in Villigen.

Alexandre Meldem von der Stiftung Deep Tech Nation Switzerland, die 2024 auf Initiative von UBS und Swisscom entstand, beschreibt die Lage so. «Sono pronto a scommettere che oggi la densità di grandi aziende tecnologiche [in Svizzera] è più elevata che da qualsiasi altra parte del mondo» (Ich wette, dass die Dichte grosser Technologiefirmen in der Schweiz heute höher ist als irgendwo sonst auf der Welt), sagt er. Und er fügt an, «la neutralità politica svizzera non è solo una tradizione diplomatica: per le aziende che operano nel campo delle tecnologie d'avanguardia, può anche rappresentare un vantaggio strategico» (die politische Neutralität der Schweiz sei nicht nur eine diplomatische Tradition, sondern könne für Firmen im Bereich der Spitzentechnologien auch ein strategischer Vorteil sein).

Wo sich der Vorteil umkehrt

Dieselbe Neutralität erzeugt jedoch Einschränkungen. Das Kriegsmaterialgesetz des Bundes aus der Mitte der Neunzigerjahre kontrolliert die Ausfuhr von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck. 2025 kamen strenge Kontrollen für Quantenrechnen, Halbleiterproduktion, künstliche Intelligenz und additive Fertigung hinzu. Im Februar 2026 lockerte der Bund die Ausfuhrbestimmungen gegenüber 25 verbündeten Staaten.

Das Problem ist, dass die Trennlinie dünner wird. «I confini tra ambito civile e militare sono sempre più sfumati» (Die Grenzen zwischen zivilem und militärischem Bereich verwischen zusehends), stellt Leo Eigner vom Center for Security Studies der ETH Zürich fest.

Einzelne Unternehmen haben die Konsequenzen gezogen. Destinus, tätig in der Luft- und Raumfahrt und bei Hyperschallflugzeugen, verliess die Schweiz Ende 2024 Richtung Niederlande. Gründer Mihail Kokorić begründete den Schritt mit den Grenzen des Schweizer Sitzes: «Mantenendo la sede della holding in Svizzera, non avremmo potuto trarne vantaggio» (Mit dem Holdingsitz in der Schweiz hätten wir davon nicht profitieren können). Auterion zog nach München und nach Arlington in Virginia.

Hinzu kommt eine physische Schranke. Die Rechenzentren beanspruchen bereits zwischen 6 und 8 Prozent des Schweizer Stroms und könnten bis 2030 auf 15 Prozent kommen.

Der Wettbewerbsvorteil ist damit nicht gesichert. Laut dem AI Index von Stanford ist der Zustrom von Talenten in die Vereinigten Staaten im letzten Jahr um 80 Prozent zurückgegangen, was ein Fenster für jene öffnet, die Forschende und Firmen halten können.

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