Welt Trauer in Italien
Emma Bonino stirbt im Alter von 78 Jahren, ehemalige Ministerin und EU-Kommissarin
Die ehemalige EU-Kommissarin und frühere italienische Aussenministerin ist in Rom im Alter von 78 Jahren an den Folgen von Atemwegskomplikationen gestorben. In den 1970er-Jahren gehörte sie zu den treibenden Kräften der Kämpfe für die Scheidung und für das Recht auf Abtreibung.
Emma Bonino, Vorsitzende der Partei +Europa, ist in Rom im Alter von 78 Jahren an den Folgen von Atemwegskomplikationen gestorben. Mit ihr verschwindet eine der bekanntesten Figuren der italienischen Politik der vergangenen fünfzig Jahre, die auch auf europäischer Ebene eine wichtige Rolle spielte: eine Persönlichkeit, die im Nachbarland und darüber hinaus bekannt – und mitunter umstritten – war.
Bonino wurde in Bra im Piemont geboren und ging Mitte der 1970er-Jahre in die Politik, als sie sich der von Marco Pannella geführten Partito Radicale anschloss. In jenen Jahren wurde sie zu einer der wichtigsten Stimmen der Bürgerrechtsbewegung: Sie setzte sich beim Referendum von 1974 für die Verteidigung des Scheidungsgesetzes ein und kämpfte anschliessend für das Recht auf Abtreibung in Italien.
1975 wurde sie verhaftet, nachdem sie sich selbst wegen ihrer Tätigkeit für das Centro informazione sterilizzazione e aborto angezeigt hatte. Der Vorfall trug zur öffentlichen Debatte bei, die 1978 zur Verabschiedung des Gesetzes 194 führte, mit dem Italien den freiwilligen Schwangerschaftsabbruch legalisierte.
Vom Aktivismus zu den Institutionen
Anders als andere historische Führungsfiguren der radikalen Bewegung, die sich vor allem auf politische Provokation und Referenden konzentrierten, gelang es Bonino, Aktivismus mit hohen institutionellen Ämtern zu verbinden. Zwischen 1995 und 1999 war sie EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe und Verbraucherschutz und leitete in dieser Funktion komplexe Krisen wie jene im ehemaligen Jugoslawien.
In den folgenden Jahren übernahm sie Regierungsämter in Italien: Von 2006 bis 2008 leitete sie im zweiten Kabinett von Romano Prodi das Ministerium für Aussenhandel und europäische Politik. 2013 wurde sie unter Regierungschef Enrico Letta zur Aussenministerin ernannt und übernahm damit die Leitung der Farnesina.
Mit ihrem Tod endet ein Kapitel der jüngeren italienischen Politikgeschichte: jenes einer Figur, die ihre gesamte Laufbahn dem Einsatz für den Rechtsstaat und für das europäische Integrationsprojekt widmete, zwischen Strassenaktivismus und Regierungsverantwortung, von den 1970er-Jahren bis in ihre letzten Lebensjahre.
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