Kultur Biodiversität
Lugano erfasst seine historischen Obstbäume
Seit 2019 erfasst ein Projekt der Stadt Lugano die historischen Obstbäume auf ihrem Gebiet. Dabei wurden bereits über 30 Sorten entdeckt, die in der Schweiz einzigartig sind.
Seit 2019 fördert die Stadt Lugano ein Projekt zur Erfassung der historischen Obstbäume auf ihrem Gebiet. Ziel ist es, den historischen und kulturellen Wert dieser Pflanzen zu rekonstruieren und alte, vom Verschwinden bedrohte Sorten zu schützen.
In sieben Jahren wurden in der ganzen Stadt über 550 Obstbäume identifiziert. Darunter befinden sich 15 lokale Sorten, mehr als 60 klassische alte Sorten und 30 einzigartige Sorten, die sonst nirgendwo in der Schweiz vorkommen. Die Erfassung war auch dank der Bevölkerung möglich, die bekannte Bäume meldete.
Bei den städtischen Gewächshäusern wurde ein Erhaltungsobstgarten angelegt, der auch als Reiserdepot dient: ein Ort, an dem Pfropfreiser aufbewahrt und produziert werden. Die wissenschaftlichen Beraterinnen des Projekts, Muriel Hendrichs und Giorgia Tresca, erklären, diese Arbeit «aiuta a custodire il patrimonio genetico recuperato nella ricerca e rappresenta una risorsa importante per il futuro della nostra sicurezza alimentare» (hilft, das in der Forschung geborgene genetische Erbe zu bewahren, und stellt eine wichtige Ressource für die Zukunft unserer Ernährungssicherheit dar).
Die beiden Forscherinnen erzählen auch von der weiteren Bedeutung der Forschung: «Sotto ogni albero si srotolano intrecci tra persone e piante, memorie e territorio. Le varietà che troviamo costituiscono spesso delle rarità, se non addirittura unicità a livello genetico» (Unter jedem Baum entfalten sich Verflechtungen zwischen Menschen und Pflanzen, Erinnerungen und Territorium. Die Sorten, die wir finden, sind oft Raritäten, teilweise sogar genetische Einzigartigkeiten). Ist eine neue Sorte einmal entdeckt, kann sie laut Hendrichs durch Veredelung vermehrt und in Obstgärten oder anderen städtischen Räumen wie Quartieren gepflanzt werden.
Zwetschgen, Äpfel und Birnen aus der Ferne
Zu den bedeutendsten Entdeckungen gehören die Zwetschgen aus dem Obstgarten der Schwestern Beatrice und Fernanda Valsangiacomo. Der Baum, den ihre Mutter Lidia 1959 aus Tenero mitbrachte, weist laut genetischer Analyse einen in der Schweiz einzigartigen Genotyp auf. Die Früchte, lokal brügnitt genannt, sind klein und oval, mit violetter Schale, festem Fruchtfleisch und intensivem Duft.
In Bré wurde eine Apfelsorte namens Pom Rosé gefunden, auf einem Baum, den Giovanni Taddei zu Beginn des 20. Jahrhunderts pflanzte. Unklar ist, ob es sich um eine einheimische oder eine importierte Sorte handelt: Seine Enkelin Manuela Bernasconi vermutet, dass ihr Grossvater sie nach einer Arbeitszeit in Marseille mitbrachte.
In Sonvico wurde ein Baum mit Nashi-Birnen entdeckt, einer aus Ostasien stammenden Frucht, die einem Apfel ähnelt, aber wie eine Birne schmeckt. Unklar ist, wie er dorthin gelangte.
Das Projekt hat zudem die Erforschung der Feigensorten vertieft, die in der Region in grosser Vielfalt vorkommen. Die Feldbeobachtungen begannen im Frühsommer mit den Fiorone, den Sommerfrüchten, die zwischen Ende Juni und Mitte Juli reifen.
Seit 2026 wird die Erfassung in Pambio-Noranco fortgesetzt, anschliessend folgt Breganzona. Wer in diesen Gebieten historische Obstbäume oder nicht aus einer Baumschule stammende Feigenbäume besitzt, kann dies über das Online-Formular des Projekts oder telefonisch unter der Nummer 079 922 24 82 melden.
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