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Kultur Retrospektive

Die Retrospektive von Locarno79 greift die schwarze Liste wieder auf

«Red & Black» versammelt fünfzig Filme rund um die Hollywood-Linke und die Verfolgungen der McCarthy-Zeit. Kuratiert hat sie der iranische Kritiker Ehsan Khoshbakht.

von Brenno 6. August 2026 2 Min. Lesezeit Locarnese

Die Retrospektive der 79. Ausgabe trägt den Titel «Red & Black - The Hollywood Left and the Blacklist». Sie vereint fünfzig Titel: Spielfilme, Dokumentarfilme, Wochenschauen und Kurzfilme.

Die Werke stammen aus den Vereinigten Staaten, Grossbritannien, Spanien, Italien, Frankreich, Mexiko und Argentinien. Geschaffen wurden sie von Filmschaffenden und Kreativen, die während der Hexenjagd von Senator McCarthy verfolgt oder auf die schwarze Liste gesetzt wurden, oder sie sind ihnen gewidmet.

Kuratiert wird die Auswahl vom iranischen Kritiker Ehsan Khoshbakht, der in London lebt. Die Reihe kommt in einem politischen Moment, den das Festival nicht verschwiegen hat, mit der Präsidentschaft Trump in den Vereinigten Staaten.

Der Rest des Programms

Die sichtbarste Veränderung dieser Ausgabe betrifft dagegen die Struktur. Die experimentelle Sektion «Moving Ahead» wurde gestrichen. Auf das forschende Kino hat das Festival deswegen nicht verzichtet: Es hat die übrigen Sektionen, auch den Hauptwettbewerb, für kühnere Arbeiten geöffnet.

Der künstlerische Leiter Giona A. Nazzaro beschreibt seine Linie als Kontinuität, mit Sektionen und Rahmenveranstaltungen, die unverändert bleiben. Er lehnt es ab, Filme nach Genre einzuordnen, im Einklang mit einem allesfressenden Geschmack, der in der Punk-Rock-Ästhetik wurzelt.

Zu den dokumentarischen Beiträgen gehört «Der Engelmacher» von Marina Klauser über die Schweizer Glaubensgemeinschaft Methernitha, ihren Gründer Paul Baumann und die Vorwürfe des Kindsmissbrauchs von Menschen, die dort aufgewachsen sind.

Das Festival widmet zudem der Schweizer Pionierin Isa Hesse-Rabinovitch, gestorben 2003, eine Hommage mit «Geister und Gäste» von 1989 und «Sirenen-Eiland» von 1981. Weitere Tribute gelten «Frankenstein Unbound» von Roger Corman aus dem Jahr 1990, «American Werewolf» von John Landis aus dem Jahr 1981 und «Kaddu Beykat» von Safi Faye aus dem Jahr 1975.

Das Präsidium hat seit 2023 Maja Hoffmann inne, Erbin des Roche-Pharmavermögens und bekannte Mäzenin der zeitgenössischen Kunst. Ihr Amtsantritt hat das internationale Profil der Veranstaltung gestärkt, ohne einen Imagewechsel einzuleiten.

Die Positionierung bleibt die gewohnte. Cannes funktioniert als globaler Milliardenkreislauf, Berlin hat nach politischen Kontroversen innert zwei Jahren zwei Führungsfiguren verloren, Venedig behält sein Prestige, orientiert sich aber an der Hollywood-Branche. Locarno zieht unterdessen immer mehr Fachleute an, 2025 über viertausend, an einer Veranstaltung, an der laut Nazzaro die Filme die eigentlichen Stars sind.

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