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Kultur Locarno Film Festival

Spezial-Pardo für Jean-Luc Bideau: in Locarno ein Film über das wankende Gedächtnis

Der Westschweizer Schauspieler erhält am Festival eine Auszeichnung. Am Sonntag, 9. August, wird dort «Ah que le bonheur est proche» von François-Christophe Marzal als Weltpremiere gezeigt: die Geschichte eines achtzigjährigen Schauspielers zwischen Erinnerungen und Halluzinationen.

von Redazione 9. August 2026 3 Min. Lesezeit Locarnese

Das Locarno Film Festival ehrt Jean-Luc Bideau mit einem Spezial-Pardo. Der achtzigjährige Westschweizer Schauspieler ist zugleich der Protagonist von «Ah que le bonheur est proche» von François-Christophe Marzal, das am Sonntag, 9. August, als Weltpremiere am Festival gezeigt wird. «Sono davvero felice che venga riconosciuto e premiato in un contesto prestigioso» (Ich bin wirklich glücklich, dass er in einem prestigeträchtigen Rahmen anerkannt und ausgezeichnet wird), sagt der Regisseur. Für ihn gilt: «Jean-Luc è spesso stato associato ai suoi ruoli popolari o comici, mentre la sua carriera ha una ricchezza straordinaria» (Jean-Luc wurde oft mit seinen populären oder komischen Rollen in Verbindung gebracht, dabei ist seine Karriere von aussergewöhnlichem Reichtum).

Der Film erzählt von einem achtzigjährigen Schauspieler, der überzeugt ist, im Don Quijote die perfekte Rolle für seinen Abschied vom Kino gefunden zu haben. Doch sein Gedächtnis wankt, die Halluzinationen häufen sich, und die Produktion engagiert ein Double, um mögliche Aussetzer aufzufangen. Die Figur versinkt nach und nach in einem Delirium, in dem sich Realität, Erinnerungen und Geister vermischen.

Die erklärte Referenz ist «The Father» von Florian Zeller, der Film von 2020 mit Anthony Hopkins in der Rolle eines an Alzheimer erkrankten Mannes. Marzal hält jedoch Abstand zu Etiketten: «Non è né una tragedia né una commedia» (Es ist weder eine Tragödie noch eine Komödie), erklärt er, «volevamo rimanere alla frontiera fra i generi» (wir wollten an der Grenze zwischen den Genres bleiben). Zwei Regieprinzipien leiten ihn: «Partiamo sempre dal principio che quello che vede il personaggio è vero» (Wir gehen immer davon aus, dass das, was die Figur sieht, wahr ist) und die Figur nie zum Opfer zu machen.

Ein Projekt, neu belebt durch den Tod von Tanner und Godard

Bideau hegte seit rund zehn Jahren den Wunsch, einen Film zu drehen, doch die ersten Fassungen des Drehbuchs fanden nicht die richtige Form. Die Wende kam 2022, nach dem kurz aufeinanderfolgenden Tod von Alain Tanner und Jean-Luc Godard, der schlagartig in Erinnerung rief, dass Bideau einer der letzten grossen Zeugen der Nouvelle Vague in ihrer Westschweizer Ausprägung ist. Marzal und Drehbuchautor Nicolas Frey verwarfen alle alten Fassungen, schrieben vier Szenen, die sie beim Gedanken an ihn zum Lachen brachten, und fügten sie zusammen wie in einem Cadavre exquis, dem kollektiven Spiel der Surrealisten. Das neue Drehbuch entstand fast in einem Zug, in vier Wochen. Auch der Titel ist eine Anleihe bei Tanner: Er stammt aus einer Zeile von «La Salamandre».

Das Gedächtnis ist ein Thema, das den Schauspieler unmittelbar berührt. Laut Marzal hatte Bideau schon immer ein flüchtiges Gedächtnis: Er brauchte drei oder vier Takes, um einen Text zu lernen, begann beim fünften zu spielen und wurde gegen den achten richtig gut. Die für den Sommer 2024 geplanten Dreharbeiten verschoben sich um ein Jahr, nachdem sich der Schauspieler ein Bein gebrochen hatte; der Stock, der auf der Leinwand zu sehen ist, war keine Inszenierung, sondern eine Notwendigkeit. Erst später erfuhr der Regisseur, dass sich Bideau erneut das Bein gebrochen hatte, ohne es ihm sofort zu sagen. Marzal bedauert zudem, dass Versicherungsauflagen das Engagement älterer Schauspieler heute sehr erschweren: In Frankreich kann Bideau für Dreharbeiten nicht mehr versichert werden.

Wird es sein letzter Film sein? Der Regisseur lächelt und erinnert daran, dass Bideau bereits gefragt hat, was als Nächstes komme: «Ci scherziamo sopra, chi lo sa» (Wir scherzen darüber, wer weiss).

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