Schweiz Öffentlicher Raum
Gegen Littering wirkt Humor besser als Tadel
Laut der IGSU, dem Schweizer Kompetenzzentrum gegen das Wegwerfen von Abfall, senken witzige Botschaften und Nudges das Phänomen stärker als autoritäre Plakate. In zehn Jahren hat sich die Wahrnehmung des Litterings halbiert.
Im Kampf gegen das Littering bringen strenge Töne wenig. Davon ist Ina Schelling überzeugt, Projektleiterin bei der IGSU, dem Schweizer Kompetenzzentrum, das sich mit dem Phänomen befasst: Statt eines mahnend erhobenen Zeigefingers helfe Humor. Der englische Begriff bezeichnet das Wegwerfen von Abfall im öffentlichen Raum anstelle seiner korrekten Entsorgung.
Die Beobachtung stammt von einer Organisation, die das Phänomen seit Längerem misst. 2015 hielten 25 Prozent der von der IGSU Befragten das Littering für sehr oder ziemlich hoch; 2025 hat sich dieser Anteil halbiert und liegt bei 12,5 Prozent.
Warum landet trotzdem so viel Abfall auf dem Boden? Laut der Fachfrau gibt es keinen einzelnen Hauptgrund, sondern ein Bündel verschiedener Faktoren: Bequemlichkeit, fehlendes Bewusstsein, Gewohnheit, Gleichgültigkeit und in einigen Fällen die Lust zu provozieren. Auch die Situation spielt eine Rolle. Gruppeneinflüsse, Alkoholkonsum und Dunkelheit begünstigen das Verhalten, ebenso bereits herumliegender Abfall: Er signalisiert, dass Littering an diesem Ort üblich ist.
Wer sich so verhält, neigt zudem dazu, sich zu rechtfertigen, etwa indem die Verantwortung auf andere geschoben, das Verhalten als normal dargestellt, dessen Tragweite heruntergespielt oder Ausreden über die öffentlichen Dienste vorgebracht werden.
Die wirksamsten Strategien
Die IGSU hat im Feld überprüft, welche Gegenmassnahmen konkrete Resultate bringen. Situationsbezogene Verhaltensanstösse, sogenannte Nudges, wie Pfeile in Richtung Abfalleimer, haben das Littering um 31 bis 38 Prozent reduziert. Die Kombination aus persönlichen Sensibilisierungsgesprächen und humorvoll gestalteten Abfalleimern schnitt noch besser ab, mit einem Rückgang von fast 50 Prozent.
Beim Vergleich der Plakate zeigt sich eine ähnliche Rangfolge. Humorvolle Plakate haben das Phänomen um 58 Prozent reduziert, jene mit Umweltbotschaften sogar um 64 Prozent. Autoritär formulierte Botschaften blieben bei 25 Prozent stehen und erwiesen sich damit als deutlich weniger wirksam.
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