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Schweiz Militärische Kompensation

ETH erhält IBM-Quantencomputer als Kompensation für die F-35-Beschaffung

Die ETH Zürich erhält einen von Lockheed Martin finanzierten IBM-Quantencomputer als Kompensation für den Kauf der F-35-Kampfjets. Die Anlage soll bis Ende Jahr im Rechenzentrum in Lugano installiert werden, die Zahlen zum Geschäft bleiben jedoch vertraulich.

von Gottardo 20. September 2026 3 Min. Lesezeit Luganese

Die ETH Zürich erhält einen Quantencomputer des US-Konzerns IBM. Das Geschäft ist Teil der industriellen Kompensationsgeschäfte im Zusammenhang mit der Beschaffung der F-35-Kampfjets: IBM liefert die Hardware, während der Flugzeughersteller Lockheed Martin das Projekt finanziert und es auf die Geschäfte anrechnet, zu deren Generierung in der Schweiz er sich im Kaufvertrag verpflichtet hat.

ETH-Sprecher Markus Gross erklärt: «L'ETH e la Svizzera avranno accesso a una delle infrastrutture quantistiche più avanzate al mondo» (Die ETH und die Schweiz erhalten Zugang zu einer der fortschrittlichsten Quanteninfrastrukturen der Welt). Der Computer soll bis Ende Jahr im Schweizerischen Nationalen Rechenzentrum (CSCS) in Lugano in Betrieb gehen, wo bereits der nationale Supercomputer steht – eine Stärkung des Wissenschaftsstandorts Tessin.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Computern, die mit Bits mit dem Wert 0 oder 1 arbeiten, basieren Quantencomputer auf Qubits, die dank quantenphysikalischer Eigenschaften gleichzeitig mehrere Zustände annehmen können. Die Technologie verspricht künftig, heute zu komplexe Probleme zu lösen und heutige Verschlüsselungssysteme herauszufordern, steckt aber noch in den Anfängen: Die verfügbaren Maschinen bleiben klein und fehleranfällig.

Auch die Armee interessiert sich für das Projekt. Armasuisse, die das Geschäft als Kompensation bewilligt hat, erklärt, es werde die Schweizer Kompetenzen im Quantencomputing stärken, und hält fest: «Anche Armasuisse e l'esercito potranno trarne vantaggio nel medio e lungo termine, ad esempio nei settori della cibersicurezza e della crittografia» (Auch Armasuisse und die Armee können mittel- und langfristig davon profitieren, etwa in den Bereichen Cybersicherheit und Kryptografie). Der ETH-Sprecher schliesst eine direkte militärische Nutzung jedoch aus: «È esplicitamente escluso che questo computer venga utilizzato per la ricerca in ambito militare» (Es ist ausdrücklich ausgeschlossen, dass dieser Computer für militärische Forschung genutzt wird). Auf dem System dürfe nur Grundlagenforschung betrieben werden. Lockheed Martin wiederum nutzt die Zusammenarbeit mit IBM auch, um eine neue, auf Quantensystemen basierende Navigationstechnologie zu entwickeln.

Eine wenig transparente Rechnung für die Steuerzahlenden

Weder IBM noch Lockheed Martin noch Armasuisse legen die Zahlen des Geschäfts offen. Für Thomas Friedli, Ökonom an der Universität St. Gallen, der solche Kompensationsgeschäfte untersucht, ist die geringe Transparenz keine Ausnahme. Die Kompensationsgeschäfte folgen besonderen Rechnungslegungsregeln: Lockheed Martin hat sich verpflichtet, in der Schweiz Geschäfte im Wert von mindestens 60 Prozent des F-35-Kaufvertrags zu generieren, laut Armasuisse rund 3 Milliarden Dollar. Bei als strategisch eingestuften Projekten wendet das Bundesamt jedoch einen Multiplikator von bis zu drei an: Eine Investition von einem Dollar kann so mit bis zu drei Dollar Kompensation angerechnet werden.

Nach Schätzungen von Armasuisse lässt dieser Mechanismus die Gesamtkosten der F-35-Beschaffung um rund 700 bis 800 Millionen Franken steigen. Ein Teil davon fliesst in Projekte ohne direkten Bezug zur Militärluftfahrt, wie die Quantencomputer-Anlage der ETH, aber auch in die Nanotechnologie- oder Forschung zu synthetischen Flugtreibstoffen. Friedli hält es dennoch für sinnvoll, dass sich die Schweiz an solchen Abkommen beteiligt, weil sie Mittel in Forschung lenken, die auch für die nationale Sicherheit relevant sein kann: «Rafforzare queste competenze in Svizzera può in seguito generare ricadute sull'industria e moltiplicare gli effetti degli investimenti» (Die Stärkung dieser Kompetenzen in der Schweiz kann in der Folge auf die Industrie ausstrahlen und die Wirkung der Investitionen vervielfachen).

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