Zum Inhalt
il Cantonale

Unabhängige digitale Zeitung der italienischen Schweiz

Wirtschaft Pharma

MFN-Klausel: Jedes dritte neue Medikament wird in der Schweiz nicht angemeldet

Laut einer Interpharma-Umfrage verzichten die Firmen auf ein Vergütungsgesuch, um die Preise in den USA nicht zu gefährden. Sieben von zweiundzwanzig Produkten wurden nicht eingereicht.

von Gottardo 14. August 2026 3 Min. Lesezeit

Die amerikanische Politik zur Senkung der Medikamentenpreise zeigt in der Schweiz Wirkung. Das hält Interpharma auf der Grundlage einer Umfrage unter den Mitgliedfirmen fest.

Im Zentrum steht die Meistbegünstigungsklausel, kurz MFN. Der Grundsatz lautet, dass der in den Vereinigten Staaten bezahlte Preis am tiefsten Preis anderer Referenzländer ausgerichtet wird. Praktisch bedeutet das, dass der in einem kleinen Markt festgelegte Preis auf den bei weitem lukrativsten durchschlagen kann.

Wie viele Produkte draussen bleiben

Laut der Umfrage verzichtet die Industrie in fast einem Drittel der Fälle darauf, die Aufnahme neuer Produkte in die Spezialitätenliste zu beantragen. Dieser Schritt ist nötig, damit ein Medikament von der Grundversicherung vergütet wird.

Die Zahlen sind konkret. Von zweiundzwanzig zwischen Januar 2025 und Juni 2026 lancierten Produkten wurden sieben nicht für die Liste eingereicht. Drei weitere haben nicht einmal eine Zulassung bei Swissmedic beantragt, der Schweizerischen Heilmittelbehörde.

Die Firmen sähen sich unter den heutigen Bedingungen nicht in der Lage, neue Therapien rechtzeitig in der Schweiz einzuführen, ohne die amerikanischen Preise zu gefährden, hält der Verband fest. Interpharma warnt zudem, dass die geplante Revision der Krankenpflege-Verordnung diese Entwicklung verstärken könnte.

Das Ergebnis trifft die Patientinnen und Patienten, die schwerer Zugang zu innovativen Therapien finden. Ein Medikament ohne Eintrag in der Spezialitätenliste wird nicht vergütet, und ein nicht zugelassenes Medikament ist gar nicht erhältlich.

Interpharma fordert von der Schweiz ein Preissystem, das mit der MFN-Klausel vereinbar ist und die Verfügbarkeit von Innovation, die Qualität und die Kosten berücksichtigt.

Die Forderung ist als das zu lesen, was sie ist: die Position eines Branchenverbands mit einem Interesse an höheren Preisen. Es bleibt jedoch die Feststellung, dass der Mechanismus internationaler Referenzpreise, der die Ausgaben dämpfen soll, eine von niemandem geplante Nebenwirkung erzeugt. Ein kleiner Markt mit hohem Einkommen wird zum kommerziellen Risiko, und der Hebel zur Kostendämpfung verwandelt sich in eine Zugangshürde. Diesen Aspekt hat die Schweizer Debatte über die Gesundheitskosten, bislang auf die Prämien fokussiert, wenig beachtet.

Kommentare

Keine Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare. Deine Stimme kann die erste sein.

Kommentar schreiben