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Schweiz Minderjährige online

Fedpol zählt rund zwanzig Fälle manipulierter Minderjähriger in der Schweiz

Fedpol bestätigt rund zwanzig Fälle in der Schweiz, in denen Online-Netzwerke Minderjährige zu Selbstverletzung und extremen Handlungen drängen. Betroffen sind vor allem Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, die über Plattformen wie Instagram und Snapchat kontaktiert werden.

von Brenno 24. September 2026 3 Min. Lesezeit

Hinter scheinbar harmlosen Social-Media-Profilen verbergen sich Netzwerke, die Mädchen und Jungen so lange manipulieren, bis sie sich selbst verletzen – Taten, die oft gefilmt und wie Trophäen geteilt werden. Je extremer die Tat, desto grösser das Ansehen innerhalb der Online-Gruppe.

Behörden mehrerer Länder sprechen von «nihilistischem Extremismus»: einem Phänomen ohne eigentliche Ideologie, bei dem die Gewalt selbst zum Zweck wird. Seit 2020 sind internationale Netzwerke aktiv, bekannt unter Kürzeln wie «The Com», «764» und «1414» – Letzteres wurde auch in der Schweiz festgestellt und wird von den Ermittlern mit Codes aus dem rechtsextremen Milieu in Verbindung gebracht.

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) bestätigte in einer Recherche von SRF und Tages-Anzeiger die Identifizierung von rund zwanzig Fällen in der Schweiz – eine Zahl, die nur einen Teil des tatsächlichen Phänomens abbilden dürfte. Rund zwei Drittel der Fälle betreffen Opfer, fast immer Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren; das übrige Drittel betrifft mutmassliche Täter, oft nur wenig älter und in vielen Fällen ebenfalls minderjährig. Das Phänomen betrifft alle Sprachregionen der Schweiz.

Vertrauen aufgebaut, um zu erpressen

Laut Fedpol-Sprecherin Berina Repesa agieren die Täter vor allem auf verbreiteten Plattformen wie Instagram oder Snapchat. In einer ersten Phase bauen sie Vertrauen auf, indem sie manchmal Freundschaft oder eine Liebesbeziehung vortäuschen, und sammeln dabei persönliche Informationen über die Opfer: Familie, Schule, Freundeskreis, Fotos. Manche Täter legen regelrechte Dossiers an, die anschliessend für wachsenden Druck und Erpressung genutzt werden.

Die Forderungen können bis zu intimen Bildern oder erniedrigenden Handlungen reichen. Im Ausland wurden Fälle dokumentiert, in denen Opfer dazu gedrängt wurden, Tiere zu quälen, Passanten anzugreifen oder ihren eigenen Suizid zu filmen. Die Ermittlungen in der Schweiz betreffen Straftaten wie Nötigung, Ehrverletzung, Anstiftung zum Suizid, schwere Körperverletzung und Verbreitung von Kinderpornografie. Zu den Druckmitteln gehört auch Swatting, also falsche Notrufe, die einen Polizeieinsatz beim Opfer auslösen.

Da Opfer und Täter oft Verbindungen ins Ausland haben, koordiniert Fedpol die Ermittlungen, während die Strafverfahren bei den Kantonen liegen. Mehrere Fälle kamen ans Licht, weil Angehörige der Opfer die Behörden alarmierten; Betroffene erhalten psychologische Unterstützung.

Das Phänomen wirft Fragen auf: Können Schulen, Familien und Unterstützungsdienste Anzeichen von Not in Online-Räumen, die grösstenteils ausserhalb der Kontrolle Erwachsener liegen, rechtzeitig erkennen? Offen bleibt auch, wie viel mehr die sozialen Plattformen, auf denen die Täter nahezu ungestört agieren, gegen diese Netzwerke unternehmen müssten.

Wer eine Gefährdungssituation vermutet, kann die Polizei unter der Nummer 117 kontaktieren. Für Beratung stehen zudem die 147, Pro Juventute, Kinderschutz Schweiz, clickandstop.ch und die Opferhilfe zur Verfügung.

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