Kanton Bündner Vergabeskandal
Der Bündner „Whistleblower“ muss erneut vor Gericht
Adam Quadroni, der 2012 das System der gelenkten Vergaben im Engadin aufdeckte, muss sich vor dem Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair wegen mehrerer Konkurs- und Vermögensdelikte verantworten, die mit seinen ehemaligen Bauunternehmen zusammenhängen. Der Prozess ist auf den 4. und 5. November angesetzt.
Adam Quadroni, 56, muss am 4. und 5. November erneut vor Gericht. Die Verhandlung findet vor dem Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair statt.
Der ehemalige Bauunternehmer wurde bekannt, weil er 2012 der Wettbewerbskommission das System der gelenkten Vergaben im Engadin meldete und damit den sogenannten Bündner Vergabeskandal ans Licht brachte.
Ende April war Quadroni bereits vor Gericht erschienen, in doppelter Rolle als Opfer und Angeklagter wegen Polizeieinsätzen im Rahmen familiärer Streitigkeiten. In jenem Verfahren wurde er freigesprochen.
Die Vorwürfe
Die vom ausserordentlichen Staatsanwalt Urs Sutter verfasste Anklageschrift wirft Quadroni eine lange Reihe von Konkurs- und Vermögensdelikten vor: mangelhafte Geschäftsführung, mehrfachen Betrug, Urkundenfälschung, Verminderung der Aktiven zum Schaden der Gläubiger, Verstrickung von der Pfändung unterliegenden Vermögenswerten, betrügerischen Konkurs und Pfändungsbetrug.
Die Vorwürfe betreffen die Jahre bis 2016, als Quadroni an der Spitze zweier Bauunternehmen im Unterengadin stand, die anschliessend unter der Schuldenlast in Konkurs gingen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Quadroni behauptet seit Jahren, wegen seiner Meldungen vom Staat schikaniert worden zu sein: durch die Nichtberücksichtigung seiner Angebote bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und, auf persönlicher Ebene, durch eine 2017 angeordnete Zwangseinweisung in die Psychiatrische Klinik Chur im Rahmen eines Streits mit seiner Ex-Frau. Diese Einweisung erwies sich später als unbegründet.
Seit 2019 fordert er vom Staat über Betreibungen eine Entschädigung von drei Millionen Franken, eine Forderung, die von einer Petition mit 4231 unterzeichnenden Bürgerinnen und Bürgern unterstützt wird. Im vergangenen Jahr lehnte der Regierungsrat die Entschädigung ab, würdigte aber Quadronis Beitrag für den Kanton und die Engadiner Gemeinden: Seine Enthüllungen hätten der illegalen Aufteilung öffentlicher Aufträge ein Ende gesetzt und es ermöglicht, dank aussergerichtlicher Vereinbarungen mit den beteiligten Unternehmen neun Millionen Franken einzunehmen.
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