Schweiz Wald und Klima
Buchen leiden unter der Hitze, Schweizer Wälder vor tiefgreifendem Wandel
Die immer heisseren und trockeneren Sommer schwächen die Buchen in der ganzen Schweiz: Im Hardwald bei Basel sind mittlerweile zwei Drittel der beobachteten Bäume stark geschädigt. Auch südlich der Alpen stellen Forscher erste Anzeichen von Stress fest.
Im Hardwald, einem Wald bei Basel, beobachtet die Forscherin Sabine Braun seit vierzig Jahren die Baumkronen der Buchen. Eine solche Situation hat sie noch nie erlebt: Zwei Drittel der Bäume haben braune, gelbe oder stark ausgedünnte Blätter. Braun arbeitet für das Institut für angewandte Pflanzenbiologie (IAP), das im Auftrag der Kantone jedes Jahr 12'000 Bäume in 23 Kantonen untersucht.
Normalerweise ziehen Buchen im Herbst die Nährstoffe aus den Blättern zurück, bevor diese fallen. Dieses Jahr aber vertrocknen die Blätter direkt am Baum. In manchen Fällen vergilben sogar noch grüne Blätter und fallen ab, als ob sie an der Sonne verbrennen würden, erklärt Braun.
Das Phänomen an sich ist nicht neu: Bereits im heissen Sommer 2018 musste der Hardwald wegen der Gefahr herabfallender Äste für die Öffentlichkeit gesperrt werden, und nur ein Viertel der damals stark geschädigten Bäume überlebte. Dieses Jahr hat sich die Zahl der geschädigten Buchen im Vergleich zu 2018 aber fast verdreifacht. Laut Braun hat die Buche im Nordwesten der Schweiz kaum noch eine Zukunft, ausser auf besonders tiefgründigen Böden.
Die Buche ist derzeit der häufigste Laubbaum der Schweiz, mit einem Anteil von rund 19 Prozent aller Bäume. Auch die Fichte, mit rund 40 Prozent die häufigste Nadelbaumart des Landes, leidet unter der Trockenheit: Geschwächte Bäume werden anfällig für den Borkenkäfer und sterben bei einem Befall im Folgejahr rasch ab. Für die Forschenden der WSL, der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, stellt sich nun die Frage, welche Baumarten dem künftigen Klima noch gewachsen sein werden.
Die Fachleute sind sich in einem Punkt einig: Die Artenvielfalt wird entscheidend sein, denn ein gemischter Wald übersteht Krankheiten und Schädlinge besser als ein Wald, der von wenigen Arten dominiert wird. Zu den vielversprechendsten Alternativen zählen die Weisstanne, die widerstandsfähiger gegen Rindeninsekten ist, sowie Arten wie die Traubeneiche und der Kirschbaum, die Trockenheit besser vertragen. Mediterrane Arten, die der Hitze besonders gut standhalten, wie etwa die Steineiche, überstehen hingegen die Wintertfröste nicht, die hierzulande weiterhin vorkommen. Der Wandel hat auch einen ökologischen Preis: Mit dem Verschwinden vieler jahrhundertealter Bäume wird der Schweizer Wald künftig weniger Kohlendioxid speichern – eine Leistung, die der Wald bislang für alle erbracht hat, nicht nur für seine Eigentümer.
Und im Tessin?
Südlich der Alpen ist der Klimadruck bisher etwas weniger ausgeprägt, erklärt Boris Pezzatti von der WSL-Forschungsgruppe in Cadenazzo: Buchen wachsen dort vor allem oberhalb von 1000 Metern, während in tieferen Lagen der Kastanienwald vorherrscht. Auch hier zeigen sich jedoch geschwächte Exemplare, besonders solche mit grosser Krone oder am Waldrand. Laut Pezzatti leiden nicht immer die südexponierten Bäume am meisten: Entscheidend sind die Wachstumsgeschichte jeder Pflanze und das Wassergleichgewicht, das sie im Lauf der Zeit entwickelt hat. Ein heute geschädigter Wald bedeutet nicht, dass die Art aus dieser Gegend verschwinden wird: Die Buche verfügt über eine gewisse Anpassungsfähigkeit, und künftige Generationen könnten von Anfang an ein Wurzelsystem entwickeln, das besser an Wasserknappheit angepasst ist. Für Pezzatti bleibt es dennoch plausibel, dass sich das ideale Verbreitungsgebiet der Buche schrittweise in höhere Lagen verschiebt.
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