Schweiz Häusliche Gewalt
Sommerhitze lässt Anzeigen wegen häuslicher Gewalt steigen
In den Kantonen Basel sind die Meldungen bei den Opferhilfestellen gegenüber dem Vorjahressommer um 30 Prozent gestiegen, mit einem Höhepunkt während der Hitzewelle im August. Besonders besorgniserregend sind die Fälle mit Kindern und Jugendlichen, die um 42 Prozent zugenommen haben.
Die hohen Temperaturen dieses Sommers könnten zu einem Anstieg der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt in der Schweiz beigetragen haben. Das zeigen die Daten der Opferhilfestellen der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt, die einen Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahressommer verzeichnet haben.
„Non abbiamo mai visto numeri del genere" (So etwas haben wir noch nie gesehen), sagte Beat John, Leiter der beiden Opferhilfestellen. Laut John könnte die Hitze eine der Hauptursachen für den Anstieg sein.
Der Höhepunkt der Meldungen wurde im August verzeichnet, zeitgleich mit der vierten Hitzewelle der Saison. Dieses zeitliche Zusammentreffen hat Fachleute dazu veranlasst, einen Zusammenhang zwischen hohen Temperaturen und häuslicher Gewalt zu vermuten. Diese Annahme wird auch durch wissenschaftliche Studien gestützt, wonach Hitze das psychophysische Gleichgewicht von Menschen beeinträchtigt.
42 Prozent mehr Anzeigen betreffen Kinder und Jugendliche
Die meisten Meldungen stammen von Frauen und betreffen Vorfälle an öffentlichen Orten. Besonders besorgniserregend ist jedoch der Befund zu Minderjährigen: Die Anzeigen wegen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche sind um 42 Prozent gestiegen. Diese Zahlen werfen die Frage auf, ob die Sozialdienste in der Lage sind, besonders gefährdete Situationen rechtzeitig zu erkennen – jene, in denen die Betroffenen am wenigsten Möglichkeiten haben, selbst um Hilfe zu bitten.
Ein Teil des Anstiegs könnte mit der Einführung der nationalen Opferhilfe-Nummer „142" am 1. Mai zusammenhängen. In Basel, einem der ersten Kantone, die den Dienst aktiviert haben, blieb die Zahl der Anrufe jedoch stabil – ein Hinweis darauf, dass die neue Nummer allein den Anstieg der Anzeigen nicht erklärt.
Deutliche Zunahmen wurden auch in anderen Kantonen gemeldet: Im Aargau stiegen die Anzeigen um 40 Prozent, auch St. Gallen und Appenzell verzeichneten steigende Zahlen. Eine Ausnahme bildet Zürich, wo während der Fussball-Weltmeisterschaft die Fälle häuslicher Gewalt und alkoholbedingter Straftaten entgegen den Erwartungen nicht zu-, sondern abgenommen haben.
Das Bild, das sich abzeichnet, wirft die Frage nach den Ressourcen der Opferhilfestellen auf, die auf eine wachsende Nachfrage reagieren müssen – in einer Jahreszeit, die zunehmend von Hitzewellen geprägt ist. Betroffenen, insbesondere Minderjährigen, Gehör und Schutz zu verschaffen, bleibt eine öffentliche Aufgabe, die sich nicht allein an der Zahl der Anrufe ablesen lässt.
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