Kultur Forschung
Erstmals entwirft künstliche Intelligenz neue Viren
Eine Gruppe des Arc Institute in Palo Alto hat mit dem Modell Evo Genome von Viren erzeugt, die nur Bakterien befallen. Die Studie ist in Science erschienen.
Eine Forschungsgruppe des Arc Institute in Palo Alto, Kalifornien, hat mit künstlicher Intelligenz neue Virustypen erzeugt. Es ist das erste Mal, dass dies gelingt, wie die in der Zeitschrift Science erschienene und von der New York Times aufgegriffene Studie festhält.
Verwendet wurde ein Modell namens Evo, dessen Funktionsweise mit jener von ChatGPT verglichen wird. Statt mit Wörtern arbeitet das Modell mit den vier Buchstaben des DNA-Alphabets: A, C, G und T.
Trainiert wurde es mit genetischen Sequenzen aus Millionen von Organismen, insgesamt rund 9000 Milliarden Nukleotide. Anschliessend erzeugte das Modell neue DNA-Moleküle, welche die Forschenden in Bakterienzellen einbrachten.
Die vorgelagerten Schranken
Der natürliche Bezugspunkt ist Phi X-174, ein in der Natur vorkommendes Virus, das ausschliesslich Bakterien befällt. Die erzeugten Viren verhalten sich gleich: Sie infizieren Bakterien und stellen für Menschen keine Bedrohung dar.
Diese Wahl ist kein Zufall. Aus den Trainingsdaten wurden Viren, die Menschen infizieren, sowie vergleichbare Erreger anderer Organismen ausgeschlossen.
Der Computerbiologe Brian Hie von der Universität Stanford erklärte den Grund für den Entscheid. «Volevamo semplicemente essere estremamente cauti» (Wir wollten schlicht äusserst vorsichtig sein), erklärte er.
Offen bleibt eine Frage der Regulierung. In den Vereinigten Staaten wurden Vorschriften eingeführt, welche die Hochrisikoforschung in den Lebenswissenschaften einschränken; computergestützte Forschung wie diese scheint davon jedoch nicht erfasst zu sein.
Es ist der Abstand zwischen dem Geltungsbereich der Regeln und jenem der verfügbaren Techniken. Die Vorschriften wurden mit Blick auf das Labor geschrieben, während ein Teil der Arbeit heute an Modellen stattfindet, die auf dem Genom trainiert wurden.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein Modell aus bekannten Sequenzen funktionsfähige Genome erzeugen kann. Welche Gruppen von Organismen ausserhalb seiner Reichweite bleiben, hängt vorerst davon ab, wer die Ausgangsdaten auswählt.
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