Welt Meerengen
Sechs Tote im Roten Meer, Warnschüsse in Hormus
Das Frachtschiff Tihamah wurde in Bab el-Mandeb von drei ballistischen Raketen getroffen: vier Seeleute und zwei Helfer kamen ums Leben. In Hormus schoss ein US-Helikopter auf ein Schiff, das die Blockade durchbrechen wollte.
Der Konflikt zwischen Washington und Teheran konzentriert sich zunehmend auf die beiden Meerengen, die den Golf mit Europa verbinden. In den letzten Stunden kam es in beiden zu Gewalt.
In der Strasse von Bab el-Mandeb wurde das unter liberianischer Flagge fahrende Frachtschiff Tihamah während der Durchfahrt von drei ballistischen Raketen getroffen. Vier Besatzungsmitglieder kamen ums Leben: drei pakistanische Staatsangehörige und ein Indonesier. Vier weitere wurden verletzt. Bei den Rettungsarbeiten starben zudem zwei jemenitische Soldaten, womit die Gesamtbilanz auf sechs Tote steigt.
Die prosaudischen jemenitischen Behörden schreiben den Angriff den Huthi-Rebellen zu. Die Gruppe hat sich nicht dazu bekannt, hatte in den vergangenen Wochen aber angekündigt, saudische Schiffe ins Visier zu nehmen. Nach der verbreiteten Darstellung sind es die ersten Todesopfer im Roten Meer seit Beginn des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und Iran am 28. Februar.
Die Blockade der iranischen Häfen
In der Strasse von Hormus, auf der anderen Seite, eröffnete ein US-Helikopter das Feuer auf ein Schiff unter panamaischer Flagge. Das Schiff versuchte, die von den Vereinigten Staaten über die iranischen Häfen verhängte Blockade zu durchbrechen, und hatte die Warnungen ignoriert, bevor geschossen wurde. Todesopfer sind keine bekannt.
Die beiden Vorfälle haben unterschiedliche Ursachen, aber dieselbe Wirkung auf den Handelsverkehr. Bab el-Mandeb und Hormus sind Zwangspunkte für Tanker und Containerschiffe zwischen Asien und Europa: Wer sie meiden will, muss Afrika umfahren, mit deutlich höheren Kosten und längeren Fahrzeiten. Jeder Angriff verringert die Zahl der Reeder, die zur Durchfahrt bereit sind.
Der Markt reagierte im Tagesverlauf. Der Brent stieg auf bis zu 90 Dollar pro Fass und gab dann nach, nachdem der pakistanische Verteidigungsminister von einer sich abzeichnenden Verständigung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten gesprochen hatte. Die Preisbewegung zeigt, wie unsicher die Lage bleibt: Derselbe Tag brachte ein Signal der Eskalation und eines der möglichen Entspannung.
Der amerikanische Präsident Donald Trump verteidigte seine Druckstrategie und erklärte, die wirtschaftliche Lage Irans sei auf Dauer nicht tragbar. Darauf stützt sich die Hafenblockade: die Annahme, die wirtschaftlichen Kosten würden Teheran zu Verhandlungen bewegen, bevor sich der Konflikt ausweitet.
Für die Besatzung der Tihamah zählt das strategische Kalkül wenig. Die Opfer sind Seeleute aus Ländern, die am Konflikt nicht beteiligt sind, angeheuert auf einem Schiff unter Billigflagge: jene Gruppe, die als Erste zahlt, wenn eine Handelsroute zur Front wird.
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