Wirtschaft Banken und Geopolitik
Grübel kritisiert das europäische Engagement im Ukraine-Konflikt
Der 82-jährige frühere Chef von Credit Suisse und UBS sagt in einem Interview mit der Weltwoche, Europa und die USA sollten sich heraushalten. Er kritisiert auch die Annäherung der Schweiz an die EU.
Oswald Grübel, 82 Jahre alt, führte zuerst die Credit Suisse und danach die UBS. In einem Interview mit der Weltwoche kritisiert er das westliche Engagement im Ukraine-Konflikt scharf. «Was mich am meisten beunruhigt, ist die Propagandakampagne rund um die Ukraine», sagt er.
Für den früheren Banker sollten sich Europa und die Vereinigten Staaten aus dem heraushalten, was er als Angelegenheit zwischen Russland und der Ukraine betrachtet. Der Konflikt habe die europäische Wirtschaft geschwächt, ohne konkrete Ergebnisse zu bringen.
Am deutlichsten wird er beim Abbruch der Handelsbeziehungen zu Moskau. «Russland als Rohstofflieferanten für unsere verarbeitende Industrie zu haben, war absolut sinnvoll», hält Grübel fest. Eine wirtschaftliche Partnerschaft hätte Europa seiner Ansicht nach mehr geopolitisches Gewicht gegeben.
Einen grossen Teil der Verantwortung sieht er bei den Vereinigten Staaten. Er wirft Washington vor, das Entstehen eines wirtschaftlich starken Europas zu verhindern. Kritik übt er zudem an der Bürokratie der Europäischen Union.
Das Schweizer Kapitel
Der frühere Bankchef dehnt seine Kritik auf die Annäherung der Schweiz an die EU aus. Er befürchtet, dass eine stärkere Integration die Unabhängigkeit des Landes und sein auf Referenden gestütztes demokratisches System beeinträchtigt. Das Argument kehrt in der innenpolitischen Debatte häufig wieder, hier formuliert von jemandem, der jahrelang zwei der grössten Banken des Landes geleitet hat.
Zum Untergang der Credit Suisse, die er vor seinem Wechsel zur UBS geführt hatte, beklagt Grübel eine ungenügende Aufsicht der Schweizer Behörden über die Bankführung.
Die im Interview vertretenen Positionen binden weder die UBS noch eine Institution: Grübel hat keine operativen Ämter mehr inne. Es bleibt die Stimme eines Mannes, dem der Schweizer Finanzplatz lange zugehört hat und der heute Krieg, europäische Handelspolitik und das Verhältnis zwischen Bern und Brüssel in einer einzigen Argumentation verbindet.
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