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Schweiz Verteidigung

Die Herausforderung Drohnen: Angreifen ist einfacher als abwehren

Nach der mit Sprengstoff beladenen Drohne am Flughafen Leipzig erklärt ein ETH-Experte, weshalb das Abfangen solcher Geräte schwierig und teuer bleibt.

von Redazione 11. August 2026 3 Min. Lesezeit

Der Fund einer mit Sprengstoff beladenen Drohne am Flughafen Leipzig hat das Thema Drohnenabwehr wieder ins Zentrum der europäischen Aufmerksamkeit gerückt. Roland Siegwart, Professor für autonome Systeme an der ETH Zürich und Partner von armasuisse, fasst das Problem in einer Feststellung zusammen: «Effettuare attacchi con droni è molto più facile che difendersi dai droni, specialmente in ambiente civile» (Angriffe mit Drohnen auszuführen ist viel einfacher, als sich gegen Drohnen zu verteidigen, besonders im zivilen Umfeld).

Die Gründe sind zunächst technischer, nicht militärischer Natur. Eine kleine Drohne wirft sehr wenig Radarsignal zurück und ist auf Kamerabildern leicht mit anderen Objekten zu verwechseln. Sie rechtzeitig zu erkennen und von einem Vogel oder einem Leichtflugzeug zu unterscheiden, ist der schwierigste Teil der gesamten Kette.

Dann folgt das Kostenproblem. Luftabwehrsysteme wurden entwickelt, um Flugzeuge und Helikopter abzuschiessen, und verwenden Munition, die pro Stück 500'000 Franken kosten kann. Sie gegen ein Gerät einzusetzen, das einige Tausend kostet, ergibt wirtschaftlich keinen Sinn: Wer angreift, kann die Versuche vervielfachen, wer abwehrt, nicht. Dieses Ungleichgewicht macht die Drohnenabwehr auch für gut ausgerüstete Armeen zu einem offenen Problem.

Über Städten kommt eine dritte Einschränkung hinzu. In bewohntem Gebiet nach oben zu schiessen, birgt Risiken für die Menschen am Boden, sowohl durch die Geschosse als auch durch Trümmer der abgeschossenen Drohne. Die klassische militärische Lösung, das Ziel zu zerstören, ist im zivilen Umfeld oft nicht anwendbar.

Die untersuchten Gegenmassnahmen

Die Forschung arbeitet an zwei Fronten. Bei der Erkennung werden mehrere Sensoren kombiniert: Radar, Infrarotkameras und optische Kameras, weil keiner davon allein unter allen Bedingungen gut funktioniert. Beim Abfangen werden Systeme untersucht, die das Gerät mit einem Netz einfangen, sowie Abfangdrohnen, also Geräte, die andere im Flug stoppen. In beiden Fällen geht es darum, das Ziel unschädlich zu machen, ohne es über den Köpfen von Menschen explodieren zu lassen.

Zur Position der Schweiz zeigt sich Siegwart eher optimistisch. Gemessen an ihrer Grösse ist das Land gut aufgestellt, dank der Zusammenarbeit zwischen armasuisse und den Hochschulen sowie einem zivilen Forschungsumfeld rund um Drohnen mit mehreren spezialisierten Start-ups. Es ist dasselbe technologische Gewebe, das die zivilen Anwendungen speist, von der Inspektion von Infrastrukturen bis zum Transport medizinischer Proben.

Offen bleibt die Frage des Massstabs. Die beschriebenen Technologien funktionieren auf einem klar begrenzten Perimeter wie einem Flughafen oder einer sensiblen Anlage, während der Schutz eines weiten Gebiets eine Zahl von Sensoren und Bedienenden erfordert, über die heute kein europäisches Land verfügt. Der Vorfall von Leipzig betrifft ein einzelnes, am Boden entdecktes Gerät: Die Frage, die er aufwirft, ist, was bei zehn gleichzeitig fliegenden geschähe.

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