Welt Biodiversität
DiCaprio gegen die chilenische Stromleitung, die einen Frosch bedroht
Der Schauspieler fordert die Regierung in Santiago auf, die 500-kV-Leitung nach Argentinien zu überdenken. Vom Pehuenche-Frosch sind weniger als tausend Exemplare übrig, alle im selben Tal.
Leonardo DiCaprio hat die chilenische Regierung aufgefordert, das von Enel vorangetriebene Projekt einer Stromverbindung zwischen Chile und Argentinien zu überdenken. Es geht um eine Hochspannungsleitung von 500 Kilovolt, die nach Ansicht des Schauspielers das Überleben einer Amphibienart bedroht.
Vom Pehuenche-Frosch mit der stacheligen Brust gibt es weniger als tausend Exemplare, alle im vom Trassee durchquerten Gebiet. DiCaprio erinnerte daran, dass die Art als vom Aussterben bedroht eingestuft ist und ausserhalb des Pehuenche-Tals an keinem anderen Ort der Erde lebt. Sie zu schützen bedeute, ein Ökosystem zu schützen, das für die Artenvielfalt, für die Süsswasservorkommen und für die Widerstandsfähigkeit des Gebiets gegenüber dem Klimawandel Bedeutung hat.
Enel antwortete, das Unternehmen habe stets im Einklang mit den geltenden Vorschriften gehandelt und werde weiterhin mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten.
Zwei Umweltziele im Konflikt
Der Fall hat eine wiederkehrende Struktur. Eine grenzüberschreitende Stromverbindung dient dazu, Märkte zu verknüpfen und die erneuerbare Produktion besser zu verteilen: Wenn in einer Region Wind oder Sonne im Übermass vorhanden sind, erlaubt die Leitung, diese Energie dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird, statt sie zu verlieren. Es ist eine Infrastruktur, die in den meisten energiepolitischen Dokumenten als Instrument der Wende eingestuft wird.
Zugleich erfordert eine 500-Kilovolt-Leitung Masten, Erschliessungsstrassen und gerodete Korridore, und im konkreten Fall durchquert sie den einzigen bekannten Lebensraum einer Art. Der Konflikt besteht somit nicht zwischen Umwelt und Wirtschaft, sondern zwischen zwei Umweltzielen, die selten gemeinsam erörtert werden.
Der Widerstand gegen das Trassee kommt nicht nur aus der internationalen Umweltbewegung. Der Abgeordnete Jorge Guzmán von der Partei Evópoli beschrieb die Auswirkungen in lokalen Begriffen und sprach von grossen Hochspannungsmasten, die einen für Tourismus, Sport und Natur bedeutsamen Ort durchqueren würden.
Nun geht es um die Alternativen. Eine Trasseevariante oder ein erdverlegter Abschnitt erhöhen Kosten und Fristen, und an diesen beiden Grössen entscheidet sich die Sache. Arten mit einem so engen Verbreitungsgebiet wie der Pehuenche-Frosch bieten keinen Spielraum für Ausgleich: Es gibt keine andere Population andernorts, auf die man zählen könnte, wenn diese verschwindet.
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