Wirtschaft Zollstreit
Zölle zwischen den USA und Kanada: Spannaus sieht den Freihandel im Wandel
Das Scheitern der Handelsverhandlungen hat zu neuen gegenseitigen Zöllen zwischen Ottawa und Washington geführt. Der Analyst Andrew Spannaus erklärt die Hintergründe des Konflikts und die Risiken für beide Volkswirtschaften.
Die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada befinden sich in einer Phase starker Spannungen. Das Scheitern der Verhandlungen zwischen Ottawa und Washington hat beide Regierungen dazu veranlasst, neue Zölle einzuführen – ein neues Kapitel im nordamerikanischen Handelsstreit.
Andrew Spannaus, US-amerikanischer Journalist, politischer Analyst und Universitätsdozent, erläuterte gegenüber RSI die Hintergründe des Konflikts. Die Regierung Trump wolle das Handelsmodell mit Kanada ändern, um bestimmte amerikanische Industriezweige zu schützen, insbesondere die Automobil-, Holz-, Metall- und Aluminiumbranche. Im Visier stehe auch das Freihandelsabkommen zwischen Kanada, den USA und Mexiko – ein Modell, das der Regierung nicht mehr zusage, obwohl Trump selbst die aktuelle Fassung des Abkommens ausgehandelt habe.
Die derzeit geltenden Zölle betreffen laut Spannaus nur 5 Prozent des Handels zwischen den beiden Ländern, es gehe aber dennoch um erhebliche Summen. Eine dauerhafte, für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden, werde nicht einfach sein.
Die kanadische Front
Der kanadische Premierminister Carney habe sich entschieden, am Verhandlungstisch nicht nachzugeben – eine Entscheidung, die laut Spannaus zu den Zielen gehöre, mit denen er gewählt wurde. Es sei nicht der erste Fall, in dem sich ein Handelspartner Washington widersetze: Im vergangenen Jahr habe China auf die Zölle reagiert, indem es Exporte seltener Erden und landwirtschaftliche Einkäufe aus den USA blockierte, während Brasilien eine von Trump geforderte Positionsänderung zu Bolsonaro und dessen Prozess zurückgewiesen habe. Das Gewicht Kanadas sei jedoch ein anderes als jenes Chinas.
Der Abbruch der Verhandlungen, die kurz vor einer Einigung mit Zollsenkungen in Schlüsselbranchen gestanden hätten, sei laut Spannaus auf zwei Gründe zurückzuführen: den Widerstand einzelner Mitglieder der US-Regierung, insbesondere des Handelsministers, gegen eine Wiederöffnung des Freihandels in diesen Branchen, sowie die Einführung nicht wirtschaftlicher Fragen in die Verhandlungen.
Die kanadische Strategie «Dollar für Dollar» bringt Opfer für die Bürgerinnen und Bürger des Landes mit sich. Carney setze darauf, dass auch die Kosten für die USA hoch ausfallen würden, doch Spannaus warnt vor dem Risiko einer Spirale, die beide Volkswirtschaften belasten könnte.
In den USA steht das Thema in der öffentlichen Debatte mittlerweile weniger im Vordergrund, doch die gestiegenen Preise seien spürbar. Rund ein Drittel der amerikanischen Wählerschaft – ein sinkender Anteil – unterstütze laut Spannaus weiterhin den harten Kurs der Regierung als Zeichen von Standhaftigkeit. Die Zustimmung schwinde auch unter den Unabhängigen, die zunehmend daran zweifelten, dass Trump die wirtschaftlichen Interessen des Landes tatsächlich verteidige: Viele befürchteten, dass diese Politik am Ende den Amerikanern selbst schade.
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