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Wirtschaft Gesundheitskosten

Schweizer Gesundheitswesen: Kosten beschleunigen sich, Prämien wiegen schwerer

Die Gesundheitsausgaben wachsen schneller als die Einkommen: 2024 beanspruchten sie rund 12% des BIP, die Prämien stiegen auf 7% des verfügbaren Einkommens. Die bisher beschlossenen Sparmassnahmen machen nur einen winzigen Bruchteil des Budgets aus.

von Gottardo 9. August 2026 3 Min. Lesezeit

Die Gesundheitsausgaben der Schweiz wachsen in einem Tempo, das die Bevölkerung kaum tragen kann. 2024 wendete das Land rund 12% des Bruttoinlandprodukts für die Gesundheit auf, den vierthöchsten Wert unter den OECD-Mitgliedern, bei einem Gesamtbudget von rund 100 Milliarden Franken pro Jahr. Zwischen 2024 und 2027 dürften die Kosten im Schnitt um 3,9% jährlich steigen, gegenüber 3,1% im Jahrzehnt zuvor.

Die Rechnung schlägt sich in den Krankenkassenprämien nieder. 2024 zahlte ein Erwachsener im Durchschnitt 423 Franken pro Monat, was 7% des mittleren verfügbaren Einkommens entspricht; 2004 lag der Anteil bei 4%. In einer 2025 von comparis.ch in Auftrag gegebenen Umfrage erklärten 59% der Befragten, die Prämien ohne Schwierigkeiten zahlen zu können, doch rund ein Drittel bezieht staatliche Verbilligungen. Eine Studie der Universität Freiburg zeigt zudem, dass jede fünfte ältere Person aus finanziellen Gründen auf Behandlungen verzichtet.

Im Januar räumte die Staatssekretärin für Wirtschaft, Helene Budliger Artieda, ein, die Schweiz stehe «di fronte a un trilemma» (vor einem Trilemma). Für Stefan Felder, Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Basel, ist «il sistema svizzero è semplicemente troppo costoso» (das Schweizer System schlicht zu teuer); die bisher vorgeschlagenen Einsparungen erscheinen ihm «ridicolmente esigui» (lächerlich gering).

Ein Teil des Problems liegt im Leistungsvolumen. In der Schweiz werden rund 350 Hüftprothesen pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner eingesetzt, fast doppelt so viele wie der OECD-Durchschnitt von 191. Die Medikamente beanspruchen rund 22% des Budgets der obligatorischen Versicherung, und die Kosten der vergüteten Arzneimittel haben sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt. Laut Thierry Mauvernay, dem Chef von Debiopharm, kosten klinische Tests, die früher 40’000 Franken kosteten, heute 400’000 Franken.

Reformen in kleinen Schritten

Der Bund hat mehrfach eingegriffen. Ein erstes Paket, in Kraft seit 2022, führte unter anderem Anreize für Generika ein: Der Selbstbehalt für Originalpräparate wurde von 20% auf 40% erhöht. Im März 2025 verabschiedete das Parlament ein zweites Paket mit 16 Massnahmen, darunter die Überprüfung der Medikamentenpreise. Der von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider einberufene Runde Tisch strebt ab 2026 freiwillige Einsparungen von 300 Millionen Franken pro Jahr an: gerade einmal 0,25% des Gesundheitsbudgets.

Auf struktureller Ebene hiess das Volk im November 2024 die Reform gut, welche die Kostenaufteilung zwischen Versicherern und Kantonen vereinheitlicht; seit Januar 2026 gilt zudem eine neue Tarifstruktur für die ärztlichen Leistungen. Geprüft werden Obergrenzen für das Ausgabenwachstum in den Jahren 2028-2031 sowie die Erhöhung der Mindestfranchise von 300 auf 400 Franken, die erste seit zwanzig Jahren.

Auch das internationale Umfeld belastet: Nach den von Präsident Trump beschlossenen Zöllen auf Medikamente setzte die Regierung im Januar eine Arbeitsgruppe mit den Spitzen von Roche und Novartis ein. Die Pharmabranche erwirtschaftet 40% der Schweizer Exporte, doch der Binnenmarkt mit 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern begrenzt die Verhandlungsmacht Berns: Das Bundesamt für Gesundheit strich das Krebsmedikament Lunsumio von Roche von der Liste der vergüteten Arzneimittel, nachdem die Preisverhandlungen gescheitert waren.

Baume-Schneider erklärte gegenüber RTS: «il vero problema è chi paga cosa» (das eigentliche Problem ist, wer was bezahlt). Offen bleibt die Frage, ob Massnahmen, die nur einen winzigen Bruchteil der Ausgaben ausmachen, genügen, um das Kostenwachstum auf ein für Versicherte und Steuerzahlende tragbares Mass zurückzuführen.

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