Kultur Nuklearmedizin
Im Bunker des Zyklotrons, das die Tracer der Westschweiz herstellt
Der einzige medizinische Teilchenbeschleuniger der Westschweiz steht seit zwei Jahren wegen Bauarbeiten still. Er erzeugt Isotope, die in zwei Stunden die halbe Radioaktivität verlieren.
Seit 2001 an den Universitätsspitälern Genf im Einsatz, steht der einzige medizinisch genutzte Teilchenbeschleuniger der Westschweiz seit zwei Jahren still, weil die angrenzenden Labors umgebaut werden. Es wird noch einige Wochen dauern, bis das Zyklotron wieder Radiopharmaka herstellt.
Die Pause erlaubt einen Blick in die Anlage im zweiten Untergeschoss des Spitals. Mehrere Schleusen führen zum Bunker, einem Raum mit zwei Meter dicken Wänden. Valentin Bonvin, Physiker mit Spezialgebiet Strahlenschutz und früher am CERN tätig, öffnet die Panzertür: 25 Tonnen Beton und Stahl, von einem Luftkissen getragen, die sich mit lautem Zischen langsam drehen.
Im Innern steht ein knapp zwei Meter hoher Metallzylinder, umgeben von Kabeln, Rohren und Kapillaren. Zwei Personen sichern den Betrieb der Anlage, gestützt auch auf das Wissen der Herstellerin. Die Teilchen werden spiralförmig beschleunigt, durch das Zusammenspiel elektrischer und magnetischer Felder, um mit einem Protonenstrahl mit Sauerstoff-18 angereichertes Wasser zu beschiessen.
Drei Milliliter und wenige Stunden Lebensdauer
Die Anlage erzeugt zwei radioaktive Isotope in flüssiger Form, Fluor-18 und Stickstoff-13, in einem Volumen von lediglich drei Millilitern. Die Flüssigkeit gelangt über bleiummantelte Kapillaren ins Labor und wird in einer abgeschirmten Zelle aufgefangen, wo die radiochemische Synthese stattfindet. Gereinigt und mit anderen Molekülen verbunden, wird daraus ein Radiopharmakon: Mit Glukose verbunden ergibt Fluor-18 das Fluordesoxyglukose, den in der Onkologie verwendeten Tracer zur Lokalisierung von Tumoren im PET. Stickstoff-13 als Ammoniak dient dagegen der Darstellung von Herzfunktionsstörungen.
Mit einer Tagesproduktion von vierzig bis fünfzig Dosen beliefert das Zyklotron das Genfer Spital und je nach Bedarf die übrigen Westschweizer Spitäler. Laut Valentina Garibotto, Chefärztin der Nuklearmedizin und molekularen Bildgebung, erfordert dies eine sehr sorgfältige Koordination im Vorfeld. Der Grund liegt in der Chemie: Fluordesoxyglukose hat eine Halbwertszeit von knapp zwei Stunden, in dieser Zeit ist also die Hälfte der anfänglichen Radioaktivität bereits verschwunden; bei Stickstoff-13-Ammoniak beträgt sie zehn Minuten. Das Produkt muss fast sofort injiziert werden, sonst nützt es nichts mehr. Aus demselben Grund ist die Lagerbewirtschaftung kein Problem: Es gibt keine Lager.
Die Sicherheit dagegen bleibt ein ständiges Anliegen. Die Anlage untersteht strengen eidgenössischen Vorschriften, die Umgebungsradioaktivität wird laufend gemessen, und alle Mitarbeitenden tragen ein Dosimeter. Das Risiko einer Kettenreaktion, erklärt Bonvin, ist null: Beim Zyklotron schaltet man die Maschine ein und führt den Beschuss durch, und beim Ausschalten hört der Beschuss sofort auf. Kernspaltung findet zu keinem Zeitpunkt statt. Am Ende des Besuchs löst der Physiker die Schliessung des Bunkers aus: Eine Sirene und ein oranges Blinklicht lassen dreissig Sekunden zum Verlassen des Raums.
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