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Wirtschaft Lebensmittel

Die Hitze bremst den Fleischkonsum nicht, die Trockenheit verteuert ihn

Die hohen Temperaturen haben den Konsum nicht wie erwartet gesenkt. Auf die Preise wirkt das schrumpfende Angebot, mit Tieren, die wegen Wassermangels früher geschlachtet werden.

von Brenno 11. August 2026 3 Min. Lesezeit

Die Regel besagt, dass der Fleischkonsum über 29 Grad zurückgeht. In diesem Sommer war es in der Schweiz nicht so: Die hohen Temperaturen haben die Nachfrage nicht spürbar gebremst. Nach Angaben von Bell, einem der grössten Lebensmittelverarbeiter des Landes, wirken sich Ferien und Urlaubszeiten stärker auf das Kaufverhalten aus als die Quecksilbersäule.

Einige Verschiebungen gab es dennoch. Frisches Obst, Salate und fertige Sandwiches verzeichnen eine wachsende Nachfrage, mit einer Sandwichproduktion von über 220'000 Stück pro Tag. Es ist jene Art von Konsum, die die Hitze begünstigt und die zum Fleisch hinzukommt, statt es zu ersetzen.

Das Problem liegt also nicht bei der Nachfrage, sondern bei dem, was vorgelagert geschieht. Die anhaltende Trockenheit wirkt auf die gesamte Lieferkette, und sie tut es über längere Zeiträume als eine Hitzewelle.

Weniger Wasser, weniger Tiere

Das konkreteste Signal betrifft die Betriebe. In mehreren Fällen wird das Vieh früher als geplant zur Schlachtung gebracht, weil Wasser und Futter knapp sind und das Halten der Tiere untragbar wird. Kurzfristig erhöht das die verfügbare Fleischmenge, verringert aber die Bestände für die folgenden Monate. Es ist eine Entscheidung, die unter Druck getroffen wird und die Kosten nach vorne verschiebt, auf jene, die später einkaufen.

Auch bei Obst und Gemüse zeigt sich eine ähnliche Dynamik. Kleinblättrige Salate werden in ganz Europa knapp, und die Schweiz hat begonnen, sie aus der Türkei einzuführen: längere Wege für ein Produkt, das normalerweise kaum reist.

Bell-Chef Marco Tschanz fasst das Bild zusammen, indem er die Faktoren aufzählt, die in dieselbe Richtung drängen: Trockenheit, sinkende Viehbestände, Tierseuchen und regulatorisches Umfeld deuten auf ein schrumpfendes Angebot hin. Die erwartete Folge sind höhere Preise.

Wer diesen Anstieg bezahlt, ist nicht nebensächlich. Die Verteuerung eines Grundnahrungsmittels belastet die engeren Haushaltsbudgets anteilig weit stärker, denn dort macht der Lebensmitteleinkauf einen hohen Teil des Einkommens aus. Diesen Effekt zeigen Statistiken zur durchschnittlichen Teuerung meist nicht.

Unterdessen bewegt sich ein anderer Teil des Marktes. Die Tofuproduktion ist so stark gewachsen, dass Bell die Kapazität seines Werks in Landquart verdoppelt hat. Die Nachfrage ist so hoch, dass deutsche Detailhändler um den Import von Schweizer Ware bitten, weil die europäischen Bestände fast aufgebraucht sind. Sollten die Fleischpreise tatsächlich steigen, kommt diese Produktionskapazität zum richtigen Zeitpunkt.

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