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Kanton Gesundheit und Klima

Extreme Hitze: über zwanzig Tote im Tessin, Notaufnahmen unter Druck

Der Sommer hat im Tessin bereits über zwanzig hitzebedingte Todesfälle gefordert und die Notaufnahmen stärker belastet. Mediziner und Betroffene schildern eine neue Normalität, die strukturelle statt nur individuelle Antworten verlangt.

von Brenno 26. August 2026 3 Min. Lesezeit

Cristina Milani aus Lugano gehört zu keiner der Risikogruppen für Hitze. Sie ist nicht alt, hat keine chronischen Krankheiten und arbeitet nicht im Freien. Trotzdem wurde ihr an einem Samstagnachmittag mitten im Sommer beim Einkaufen in der Migros in Savosa schlecht: Krämpfe, Kälteschauer, Mühe beim Stehen, dann eine Ohnmacht. Der Filialleiter kam ihr zu Hilfe und rief die Ambulanz. In der Notaufnahme des Ospedale Civico in Lugano lautete die Diagnose Hitzschlag mit schwerer Dehydrierung.

Ihr Fall widerlegt eine in den sozialen Medien verbreitete Annahme, wonach nur ältere, übergewichtige oder unbehandelte Menschen unter der Hitze leiden würden. Fachleute bestätigen zwar, dass ältere Menschen, Kleinkinder, Personen mit chronischen Krankheiten, im Freien oder unter Anstrengung Arbeitende sowie Schwangere besonders gefährdet sind. Extreme Hitze kann aber jeden treffen.

Die vom Ente ospedaliero cantonale (EOC) in diesem Sommer gesammelten Daten zeigen eine deutliche Verschlechterung: Schätzungen zufolge stehen im Tessin mehr als zwanzig Todesfälle im Zusammenhang mit den Hitzewellen.

Die Notaufnahme steht seit Ende Mai unter Druck

Die steigende Zahl an Eintritten belastet auch das Personal. «Wir sehen eine Zunahme der hitzebedingten Eintritte in der Notaufnahme», sagt Alessandro Jessula, Leiter der Notaufnahme des Civico. Der Einsatz sei seit Ende Mai ununterbrochen und ermüde mit der Zeit auch das Personal: Nicht alle hätten zu Hause eine Klimaanlage, und auch für das Spitalpersonal sei es nicht selbstverständlich, sich nachts zu erholen.

Den höchsten Preis zahlen oft Arbeitnehmende, die stundenlang der Sonne ausgesetzt sind: Bauarbeiter, Personen auf Gerüsten oder auf der Strasse, aber auch Beschäftigte in der Gastronomie, in Küchen und auf Terrassen. Hitzebedingte Erkrankungen reichen von Muskelkrämpfen über die Hitzeerschöpfung bis zum eigentlichen Hitzschlag, einem medizinischen Notfall, der bei verspäteter Behandlung irreversible neurologische Schäden oder den Tod zur Folge haben kann.

Für Roberta Petrino, Chefärztin der Notaufnahme des Civico, kann noch nicht von einem eigentlichen Notstand gesprochen werden, weil die Situation beherrschbar bleibe. Es gebe jedoch wachsende Besorgnis, sowohl für die Patientinnen und Patienten, die ihr Leben im Freien im Sommer einschränken müssten, als auch für die kommenden Jahre: Die Temperaturen, warnt sie, würden weiter steigen.

Petrino fordert Antworten, die über die Medizin hinausgehen: Ruhe- und Abkühlungszonen sowie Städte, die so geplant sind, dass sie Hitzebeschwerden vorbeugen. Die Daten des EOC werden bereits an das Dipartimento della sanità e della socialità (Gesundheits- und Sozialdepartement) weitergeleitet und sollen als Grundlage für gezielte Massnahmen dienen. Den Bürgerinnen und Bürgern bleiben Flüssigkeitszufuhr und gesunder Menschenverstand, doch die grössere Verantwortung liege inzwischen, betonen die Ärztinnen und Ärzte, bei der Stadtplanung und der kantonalen Politik.

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