Schweiz Vermögen
Am Brünig ein Mega-Tresor für die Vermögen der Superreichen
Rund zwanzig Kavernen unter mehr als hundert Metern Fels, verkauft mit einem Baurecht von 99 Jahren ab etwa einer Million Franken. Die Eröffnung ist für 2027 vorgesehen.
Im Kanton Obwalden, nahe dem Dorf Lungern und dem Brünigpass, entsteht eine unterirdische Anlage, die Güter von Kundinnen und Kunden mit hohen Vermögen aufbewahren soll. Das Projekt heisst Brünig Mega Safe und wird vom Unternehmer Thomas Gasser vorangetrieben, der die Gesellschaft präsidiert.
Die Dimensionen entsprechen einem Tiefbauwerk. Rund zwanzig Kavernen werden unter mehr als hundert Metern kompaktem Fels ausgebrochen. Nach Angaben der Promotoren wird das Schutzniveau jenem der Schweizerischen Nationalbank vergleichbar sein. Vor dem Eingang ist ein Weg mit mehreren Sicherheitskontrollen vorgesehen, zu denen keine Einzelheiten bekannt gegeben wurden. Fernsehteams durften nur die Zugangsstollen filmen, der Hauptraum blieb geschlossen.
Das Geschäftsmodell ist ein immobilienwirtschaftliches. Die einzelnen Kavernen werden mit einem Baurecht von 99 Jahren verkauft, ab rund einer Million Franken. Wer kauft, erhält einen Eintrag im Grundbuch und die Möglichkeit, eine Hypothek aufzunehmen: Der Tresor wird damit selbst zu einem Vermögenswert und nicht bloss zu einer Aufbewahrungsdienstleistung. Erwartet werden im Innern Kunstwerke, Edelmetalle, Sammlerautomobile und wertvolle Weine.
Was die Nachfrage sagt
Gasser begründet die Initiative mit dem veränderten internationalen Umfeld. Dubai habe lange als sicherer Platz gegolten, erklärt er, und heute werde diese Sicherheit in Frage gestellt; viele Menschen wollten schlicht einen Teil ihres Vermögens schützen. Es ist dieselbe Logik, die die Schweiz im 20. Jahrhundert zu einem Ziel für Kapital gemacht hat, diesmal angewandt auf physische Güter statt auf Bankeinlagen.
Die Eröffnung ist für 2027 vorgesehen. In der örtlichen Bevölkerung sind die Meinungen zwischen Skepsis und Begeisterung geteilt, eine Teilung, die immer dann auftritt, wenn ein Projekt Investitionen in eine Randregion bringt, ohne viele Arbeitsplätze mitzubringen. Ein automatisiertes Lager unter Fels beschäftigt nach Abschluss der Arbeiten nur wenige Personen.
Offen bleiben einige Fragen von öffentlichem Interesse. Die erste betrifft die Transparenz: Güter in einem privaten Tresor erscheinen in keinem zugänglichen Register, und ihre Nachvollziehbarkeit hängt von den Regeln ab, die für den Betreiber gelten. Die zweite betrifft die Nutzung des alpinen Untergrunds, der in denselben Jahren für Energiespeicherung und für Verkehrsinfrastrukturen beansprucht wird.
Und dann ist da ein Umstand, den das Projekt sichtbar macht. Der Bau gepanzerter Lager für private Vermögen ist selbst ein Indikator: Er misst, wie viel Reichtum physischen Schutz sucht und wie wenig dessen Inhaber den Alternativen vertrauen.
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