Welt Alpweiden
Verdorrte Alpweiden im Ossola: Bettelmatt gefährdet, Abtrieb früher
Coldiretti Novara-VCO meldet trockenes Gras und fehlendes Wasser für das Vieh. Die Betriebe treiben mindestens einen Monat früher ins Tal, und im Flachland fällt der zweite Schnitt aus.
Auf den Alpweiden des Verbano-Cusio-Ossola ist das Gras verdorrt, und den Tieren fehlt das Wasser. Das meldet Coldiretti Novara-VCO. Die Betriebe müssen ihr Vieh mindestens einen Monat früher als üblich ins Tal zurückbringen.
Der vorgezogene Abtrieb ist keine organisatorische Wahl, sondern die Folge zweier Faktoren, die sich addieren: Wasserknappheit in der Höhe und ein starker Rückgang des verfügbaren Grases. Die Viehwirtschaftsbetriebe tragen deshalb höhere Kosten und verfügen über weniger Futter.
Der Fall Bettelmatt
Zu den betroffenen Produkten gehört der Bettelmatt, ein Alpkäse, der nur auf neun Alpen über zweitausend Metern zwischen dem Antigoriotal und dem Formazzatal hergestellt wird. Seine Eigenart hängt von einem bestimmten Gras ab, der Muttolina, die dieses Jahr wegen der Hitze knapp ist. Ohne diese Weide sinkt die Produktion, und die Saison dürfte früher enden.
Die Probleme bleiben nicht in der Höhe. Auch im Tal wird es laut Coldiretti keinen zweiten Schnitt geben. Dieser Schnitt liefert normalerweise einen grossen Teil der Vorräte für Herbst und Winter. Sein Ausfall bedeutet Futterzukäufe auf dem Markt, und dies in einem Jahr, in dem die Preise wegen der verbreiteten Trockenheit bereits unter Druck stehen.
«Wir erleben einen ausgesprochen besorgniserregenden und nie dagewesenen Moment», heisst es bei der Bauernorganisation. Sie fügt an: «Noch nie mussten unsere Betriebe einen Monat früher von der Alp absteigen.»
Die Lage betrifft auch die italienische Schweiz unmittelbar. Die Ossolatäler grenzen an das Tessin, und beide Seiten teilen denselben alpinen Klimaraum, dieselben Alpsysteme und in mehreren Fällen dieselben Märkte für Käse und Fleisch. Im Tessin wurden in den vergangenen Wochen Wassertransporte per Helikopter zu ausgetrockneten Alpen organisiert.
Offen bleibt die Frage, wer die Kosten solcher Sommer trägt. Alpbetriebe arbeiten mit engen Margen und mit wenig saisonalem Personal, und ein Jahr mit zugekauftem Futter kann die Rechnung lange belasten. Ein wiederholt vorgezogener Rückzug in den Stall stellt die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Alpwirtschaft infrage, die zugleich die Weiden in der Höhe offen hält.
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