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Kanton Organisierte Kriminalität

Bellinzona: Prozess gegen mutmasslichen Vertrauensmann der 'Ndrangheta

Ein 59-jähriger italienischer Staatsangehöriger mit Wohnsitz im Aargau steht vor dem Bundesstrafgericht, weil er dem Clan Anello-Fruci angehört haben soll. Die Verhandlung im Zusammenhang mit der Operation «Imponimento» dauert voraussichtlich bis zum 11. September.

von Redazione 31. August 2026 2 Min. Lesezeit Bellinzonese

Seit Montag verhandelt das Bundesstrafgericht in Bellinzona gegen einen 59-jährigen italienischen Staatsangehörigen mit Wohnsitz im Aargau. Ihm wird vorgeworfen, zwanzig Jahre lang Teil der in der Schweiz aktiven 'Ndrangheta gewesen zu sein. Laut Anklage war er eine Vertrauensperson des Clans Anello-Fruci. Die Verhandlung soll bis zum 11. September dauern.

Das Verfahren geht auf die Ermittlung «Imponimento» zurück, die im Juli 2020 zur Verhaftung von über 70 Personen in der Schweiz und in Italien führte. Die Ermittlungen zeigten die wichtigsten Aktivitäten italienischer krimineller Organisationen in der Schweiz: Drogenhandel, Waffenhandel zur Aufstockung der Clan-Arsenale und Geldwäscherei über Restaurants, Nachtlokale, Wechselstuben und das Leasing von Luxusautos.

Eine im Wirtschaftsleben verankerte Organisation

Der Clan Anello-Fruci zeichnet sich durch ein ausgeprägtes unternehmerisches Vorgehen aus. Neben illegalen Geschäften tätigte er scheinbar legale Investitionen, die es ihm erlaubten, sich in die lokale Gesellschaft zu integrieren und unauffällig zu agieren. Ein weiterer Schweizer Kontaktmann des Clanchefs, ebenfalls wohnhaft im Aargau, führte ein Restaurant und sponserte den Fussballklub des Dorfes. Er war in der Region gut bekannt und beliebt, weshalb seine Verhaftung 2020 für Erstaunen sorgte.

Die Ermittlungen in der Schweiz betrafen rund ein Dutzend Personen. Dabei kamen akustische Überwachung und ein verdeckter Ermittler der Bundespolizei zum Einsatz. Dessen Arbeit erlaubte es, die Aussagen von Kronzeugen in Italien zu bestätigen.

Jenseits der Grenze hat das Verfahren bereits zu mehreren, teils zweitinstanzlich bestätigten Verurteilungen geführt. Der Chef des Clans wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, der Restaurantbesitzer zu 17 Jahren. Der Cousin des heute in Bellinzona angeklagten 59-Jährigen, der im Raum Lugano als Gemeindearbeiter tätig war, wurde erstinstanzlich zu 11 Jahren verurteilt, in der Berufung reduziert auf 10 Jahre und 8 Monate.

Für den Clan soll die Schweiz eine Art Tresor gewesen sein: Hier kamen die illegalen, vor allem aus dem Drogenhandel stammenden Gelder an und wurden reinvestiert, um weitere Gewinne zu erzielen. Die angehäuften Reserven blieben auf Schweizer Gebiet, bereit, nach Italien transferiert zu werden, sobald der Clanchef Bargeld benötigte. Die Schweiz soll zudem die Versorgung mit Waffen und Munition sichergestellt haben: Ein kleines Arsenal wurde im Tessin, in der Wohnung des 59-Jährigen, sichergestellt.

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