Wirtschaft Energie
Anschlag auf saudische Pipeline lässt Ölpreis steigen
Eine strategische Pipeline Saudi-Arabiens bleibt nach einem Anschlag wochenlang grösstenteils ausser Betrieb, während die Huthi im Roten Meer vorrücken. Ein Experte warnt: Europa hat keine Alternativen und muss sich auf höhere Energierechnungen einstellen.
Die Ölpreise sind am Montag um mehr als 2 Prozent gestiegen. Zwei regionale Vertreter berichteten, dass eine strategische Pipeline Saudi-Arabiens, die vergangene Woche angegriffen wurde, noch mehrere Wochen grösstenteils ausser Betrieb bleiben wird – mit Folgen, die international spürbar sein werden.
Saudi-Arabien setzt stark auf die rund 1'200 Kilometer lange East-West Pipeline, um Rohöl von den Terminals am Golf zum Hafen Yanbu am Roten Meer zu transportieren und so die Routen durch den Persischen Golf zu umgehen. Die Leitung wurde nach einem Angriff am Donnerstag gestoppt, den Riad auf Drohnen zurückführt, die von iranisch unterstützten irakischen Milizen abgefeuert wurden. Den beiden Vertretern zufolge werden die Reparaturen drei bis fünf Wochen dauern und betreffen auch eine wichtige Pumpstation: Während der Arbeiten könnte die Pipeline nur teilweise funktionieren.
Die Zahlen zur Pipeline und der Vormarsch der Huthi
Vor dem Angriff transportierte die Leitung rund 4 Millionen Barrel pro Tag, etwa 4 Prozent des weltweiten Angebots, bei einer maximalen Kapazität von 7 Millionen Barrel pro Tag. Saudi Aramco, das die Infrastruktur betreibt, äusserte sich nicht dazu.
Unterdessen haben die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen ihre Kontrolle über die Routen im Roten Meer ausgeweitet und die Inseln Gross-Hanish und Klein-Hanish erobert, rund 160 Kilometer nördlich der Strasse von Bab al-Mandab, womit sie sich bis auf rund 32 Kilometer an den US-Militärstützpunkt in Dschibuti herangearbeitet haben. In den Tagen zuvor hatten sie bereits die Hafenstadt Mokha und die Insel Mayun in derselben Meerenge eingenommen, einem der wichtigsten Nadelöhre des weltweiten Seehandels in Richtung asiatischer Märkte. Die von Riad unterstützten jemenitischen Regierungstruppen versuchen eine Gegenoffensive mit Luftangriffen auf Huthi-Stellungen in Mokha, Dhubab und in der Provinz Taiz.
Für Massimo Nicolazzi, Professor für Energiewirtschaft, der im Telegiornale des RSI interviewt wurde, muss sich Europa auf eine mögliche Verlängerung der Spannungen auf den Ölrouten einstellen. «Prepariamoci a bollette pesanti per questo inverno» («Bereiten wir uns auf hohe Rechnungen in diesem Winter vor»), warnt er. Ein milder Winter, erklärt er, könnte den Druck auf die Energienachfrage verringern und die Auswirkungen auf die Preise abschwächen.
Laut dem Experten kann in einer Mangelsituation auch der Ausfall eines begrenzten Angebotsanteils erhebliche Folgen haben. In diesem Fall handle es sich nicht um eine marginale Menge: Die Pipeline konnte «fino a 5 milioni di barili al giorno» («bis zu 5 Millionen Barrel pro Tag») transportieren, etwa die Hälfte der saudischen Exporte vor der Blockade.
Der Ölmarkt sei global, erinnert Nicolazzi: Das per Schiff transportierte Rohöl habe kein festes Ziel und könne zu jedem Käufer umgeleitet werden, der bereit sei, dafür zu zahlen. «Togliamoci dalla testa che ci siano destinazioni regionali» («Schlagen wir uns aus dem Kopf, dass es regionale Zielmärkte gibt»), sagt er, denn nur Pipelines würden einen Produzenten physisch mit einem bestimmten Absatzmarkt verbinden. Hätte Asien grössere Schwierigkeiten, sich am Golf zu versorgen, würde sich seine Nachfrage auch auf die Märkte verlagern, auf denen Europa einkauft, was die Konkurrenz verschärfen würde.
«Il 90% di quello che passava da Hormuz andava in Asia» («90 Prozent dessen, was durch Hormus ging, floss nach Asien»), betont Nicolazzi. Wenn diese Mengen sinken, würden asiatische Käufer auf die europäischen Märkte kommen und um dieselben Käufe konkurrieren. Auf die Frage, ob Europa echte Alternativen habe, lautet die Antwort Nein: Das bedeute nicht zwangsläufig, ohne Energie dazustehen, aber mehr dafür zu bezahlen.
Der Rat des Experten lautet, Verschwendung zu reduzieren, den Verbrauch zu optimieren und auf günstiges Wetter zu hoffen, denn kurzfristig gebe es keine Abkürzungen, um die gefährdeten Mengen zu ersetzen.
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