Kultur Botanik
In Basel blüht der Titanenwurz, Gewächshaus bis zwei Uhr offen
Das Exemplar des Botanischen Gartens der Universität Basel öffnet seinen Blütenstand in dieser Nacht. Der Eintritt ist frei, die Blüte dauert drei bis vier Tage.
Der Botanische Garten der Universität Basel hat angekündigt, dass sein Titanenwurz in dieser Nacht blühen wird. Das Tropenhaus bleibt bis zwei Uhr morgens für das Publikum geöffnet, bei freiem Eintritt.
Der Amorphophallus titanum bringt den grössten Blütenstand der Pflanzenwelt hervor. Er kann drei Meter Höhe überschreiten und bleibt nur drei bis vier Tage geöffnet, danach fällt er in sich zusammen. Diese Verbindung von Grösse und Kürze macht jede Blüte zu einem Ereignis, das Botanische Gärten mit einem solchen Exemplar Tage im Voraus ankündigen.
Das Warten in Basel dauerte lange. Die Pflanze hatte zuletzt im Juli 2023 geblüht. Zwischen zwei Blüten sammelt das Exemplar Reserven in einer unterirdischen Knolle, die Dutzende Kilogramm wiegen kann, und öffnet die Blüte erst, wenn die Reserven ausreichen.
Das andere bekannte Merkmal der Art ist der Geruch. In den ersten Abendstunden verströmt der Blütenstand einen besonders unangenehmen Geruch, ähnlich dem von verwesendem Fleisch. Das ist keine Nebenwirkung, sondern die Fortpflanzungsstrategie der Pflanze: Der Geruch lockt Fliegen und Käfer an, die sich von Aas ernähren, und diese Insekten tragen den Pollen weiter. Wer das Gewächshaus in der Nacht betritt, trifft das Exemplar also im Moment der stärksten Geruchsintensität, die mit dem grössten botanischen Interesse zusammenfällt.
Wer die direkte Erfahrung lieber meidet, kann die Entwicklung der Blüte über eine Webcam auf der Website des Botanischen Gartens verfolgen.
Die Art stammt aus den Regenwäldern von Sumatra in Indonesien und gilt als vom Aussterben bedroht. Der Rückgang des Lebensraums in den Herkunftsgebieten hat die Sammlungen der Botanischen Gärten zu einem Teil des Artenschutzes gemacht, nicht nur zu einer Publikumsattraktion: Die in Europa und Nordamerika kultivierten Exemplare erlauben es, den Fortpflanzungszyklus zu erforschen und Pollen zwischen weit entfernten Institutionen auszutauschen.
Blüten in der Schweiz bleiben selten. Jede Ankündigung führt zu Schlangen am Eingang und zu verlängerten Öffnungszeiten, wie in dieser Nacht in Basel.
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