Kanton Justiz
Angriff in Gravesano: 52-Jähriger wegen versuchten Mordes vor Gericht
Ein 52-jähriger Italiener mit Wohnsitz im Tessin wird nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung in Gravesano im vergangenen September des versuchten vorsätzlichen Mordes angeklagt. Der Prozess hat am Mittwoch vor dem Schwurgericht in Lugano begonnen.
Ein 52-jähriger Italiener, der seit dreissig Jahren im Tessin wohnt, steht vor dem Schwurgericht in Lugano vor Gericht. Ihm werden versuchter und mehrfacher vorsätzlicher Mord, einfache Körperverletzung, mehrfache Nötigung und Drohung vorgeworfen. Die Verhandlung vor dem von Richter Amos Pagnamenta geleiteten Gericht hat am Mittwoch begonnen.
Die Tat geht auf den 22. September 2025 zurück und steht im Zusammenhang mit einer konfliktreichen Trennung von seiner Ehefrau. An jenem Abend hatte der Angeklagte einen Parkplatz in Gravesano aufgesucht, nachdem er seine Ex-Frau mit einem versteckten GPS-Gerät im Auto geortet hatte. Das Gerät war Teil einer Überwachung, die der Mann seit fast anderthalb Jahren mit in der Wohnung versteckten Abhörgeräten betrieben hatte. "Volevo la verità. Volevo sapere se stesse con l'amante" ("Ich wollte die Wahrheit wissen. Ich wollte wissen, ob sie mit dem Liebhaber zusammen ist"), sagte er mehrfach vor Gericht.
Die Auseinandersetzung auf dem Parkplatz
Auf dem Parkplatz traf der Angeklagte nicht nur auf seine Ex-Frau und deren neuen Partner, sondern auch auf seinen Schwager, von dem er sich seiner Aussage nach angegriffen fühlte. Laut Anklage, vertreten durch Staatsanwältin Petra Canonica Alexakis, war es jedoch der 52-Jährige, der als Erster auf den neuen Partner seiner Ex-Frau losging und ihm sieben Faustschläge versetzte, bevor er zu Boden fiel. Danach ging er zu seinem Auto, um einen Stock zu holen. "L'ho fatto perché temevo che anche lui prendesse qualcosa per picchiarmi e volevo difendermi" ("Ich tat das, weil ich befürchtete, dass auch er sich etwas nehmen würde, um mich zu schlagen, und ich mich verteidigen wollte"), erklärte er den Richtern.
Der neue Partner der Frau flüchtete mit dem Auto. Der Angeklagte stand daraufhin seinem Schwager gegenüber, der ihn mit Faustschlägen, Tritten und zwei Stockschlägen ins Gesicht getroffen und ihm dabei Brüche zugefügt haben soll. Der Mann bestreitet hingegen, den Stock gegen den Schwager eingesetzt zu haben: "Era mio cognato, non l'avrei mai fatto" ("Er war mein Schwager, das hätte ich nie getan"). Die Auseinandersetzung endete mit drei Messerstichen, die der Schwager dem Angeklagten zufügte; dessen Verfahren ist noch offen.
Die Staatsanwältin nannte vor Gericht zunächst eine Strafe von nicht unter fünf Jahren, forderte dann aber förmlich neun Jahre Freiheitsstrafe und die Ausweisung des Angeklagten aus der Schweiz. Das Urteil wird am Donnerstag erwartet.
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