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Schweiz Kantonsfinanzen

Die Hälfte der Kantone rechnet 2027 mit roten Zahlen, Tessin stark betroffen

Die Konferenz der Kantonalen Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren rechnet für 2027 in vielen Kantonen mit Defiziten, darunter das Tessin mit einem Fehlbetrag von 98,5 Millionen Franken. Besonders die künftigen Gesundheitskosten bereiten Sorgen.

von Gottardo 9. Oktober 2026 3 Min. Lesezeit

Rund die Hälfte der Schweizer Kantone rechnet damit, das Jahr 2027 mit einem Defizit abzuschliessen. Das geht aus einer Mitteilung der Konferenz der Kantonalen Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren (FDK) hervor, wonach dreizehn Kantone hingegen mit einer Verbesserung gegenüber dem laufenden Jahr rechnen.

FDK-Präsident Ernst Stocker hält fest, dass sich die Lage von Kanton zu Kanton unterscheide, abhängig von Wirtschaftsstruktur, demografischer Entwicklung und Steuerkraft.

Zu den Kantonen, die für 2027 ein positives Ergebnis erwarten, gehören Zürich (+207 Millionen Franken), Zug (+291 Millionen), Bern (+269 Millionen), St. Gallen (+55,5 Millionen), Basel-Stadt (+43 Millionen) und Luzern (+22,1 Millionen). Freiburg rechnet mit einem leichten Überschuss von 0,2 Millionen. Ein Defizit erwarten hingegen Genf (-546 Millionen), Waadt (-356 Millionen), Tessin (-98,5 Millionen), Schwyz (-94,4 Millionen), Solothurn (-75,4 Millionen) und Schaffhausen (-65 Millionen). Graubünden, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden haben ihre Zahlen noch nicht veröffentlicht.

FDK-Vizepräsidentin Nathalie Fontanet betont, dass es keinen automatischen Zusammenhang zwischen dem Reichtum eines Kantons und der Gesundheit seiner Finanzen gebe: Manche ressourcenschwächere Kantone rechnen mit Überschüssen, während andere, wirtschaftlich stärkere Kantone Defizite einplanen.

Auch die positiven Ergebnisse sind mit Vorsicht zu betrachten. Bern etwa erwartet für das kommende Jahr einen Überschuss von 269 Millionen, rechnet aber in den folgenden Jahren mit einer deutlichen Verschlechterung der Rechnung, vor allem wegen der Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, der Gesundheitskosten und der Ausgaben für die Prämienverbilligung.

Gesundheitsreformen belasten ab 2028

Laut FDK dürfte sich der Ausgabendruck auf die Kantone ab 2028 weiter verschärfen, wenn die jüngst beschlossenen Gesundheitsreformen in Kraft treten. Der Gegenvorschlag zur Prämien-Entlastungs-Initiative verpflichtet die Kantone zu einem Mindestbeitrag an die Finanzierung der individuellen Prämienverbilligungen (IPV): Der Bund rechnet mit zusätzlichen Kosten von anfänglich rund 350 Millionen Franken pro Jahr, die bis 2030 auf nahezu eine Milliarde steigen sollen.

Hinzu kommt das neue System der einheitlichen Finanzierung der Gesundheitsleistungen (EFAS), das die Kantone ab 2028 verpflichtet, sich nicht nur an den Kosten der stationären Behandlungen, sondern auch an jenen der ambulanten Versorgung zu beteiligen.

Laut Stocker wird es entscheidend sein, die bestehenden Einnahmequellen der Kantone zu erhalten, da das Gleichgewicht der öffentlichen Haushalte in den letzten Jahren vor allem durch das Wachstum der Steuereinnahmen und einzelne ausserordentliche Einnahmen gesichert wurde, nicht durch eine Eindämmung der Ausgaben. Mehrere Kantone haben bereits Sparprogramme eingeleitet, um den Ausgabenanstieg zu begrenzen. Offen bleibt zudem die Gewinnausschüttung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 25,2 Milliarden Franken erzielte: Der definitive Entscheid hängt vom Jahresergebnis per 31. Dezember ab.

Das Tessin rechnet für 2027 mit einem Defizit von 98,5 Millionen Franken und zählt damit zu den Kantonen mit den schlechtesten Aussichten. Die kantonalen Prognosen fügen sich in den gesamtschweizerischen Kontext ein: Steigende Gesundheitskosten und höhere Beiträge zur Prämienverbilligung belasten auch die Tessiner Rechnung.

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